Lindenbäumchen aus der Ferne

Das Lindenbäumchen

Zeitenwandel am Lindenbäumchen
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Regionalparkprojekt als Anziehungspunkt für Wanderer und Radfahrer.
Alle Infos und Pressemitteilung
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Am 16. Mai 2019 ist das Lindenbäumchen an der verlängerten Freiligrathstraße umgefallen. Der Baum liegt weitgehend innerhalb der Vitrine, nur ein paar Äste ragen darüber hinaus. Seit Mai wurde mit verschiedenen Beteiligten über Ursachen, Zustand und weitere Vorgehendsweise gesprochen.

Nach der Einschätzung von Experten ist davon auszugehen, dass die ca. 400 Jahre alte Gerichtslinde nicht durch die Einwirkung von Menschenhand umgefallen ist, sondern weil ihr Stamm innen durch Pilzbefall und Trockenheit sehr angegriffen ist. Dass sie Richtung Taunus gekippt ist liegt daran, dass die noch vorhandenen Äste auf dieser Seite innen noch nicht "hohl" sind, sondern aus festem Holz bestehen und die Linde hier schon seit Jahren immer noch austrieb. Das hat zu einem statischen Ungleichgewicht geführt und das Lindenbäumchen hat sozusagen ihr Gleichgewicht verloren. Im Vorfeld der Realisierung des Projektes wurde 2016 der Zustand des Baumes abgefragt. Die Standsicherheit wurde bestätigt, wenn auch nicht auf "ewig". Einig sind sich die Experten auch darin, dass es ungewöhnlich ist, dass die Linde so schnell einfach umgefallen ist, denn solche alten Bäume auch mit unterschiedlichen Lasten sind keine Seltenheit (stehendes Totholz)

Die Idee, die alte Gerichtslinde in ihrem jetzigen liegenden Zustand zu belassen, nahm schnell Gestalt an. Denn im Gegensatz zu so manchen Aussagen, dass die Linde "tot sei" konnten sich alle, die hier vorbeikommen davon überzeugen, dass der vorhandene Trieb der Linde, der durch den Stamm hindurchgeht und noch mehrere Wurzelverbindungen in den Boden hat. Und auch ein neuer Trieb sucht sich durch den liegenden Stamm den Weg ans Licht. Ganz abgesehen von den Insekten, die in dem Baum leben. Wo sonst Bäume meist schnell beseitigt werden, soll hier der Zerfall als Teil des natürlichen Prozesses im Leben eines Baumes bzw. das Entstehen neuen Lebens (Besiedelung durch Tiere, Wachsen neuer Triebe) gezeigt und verfolgt werden können. Schließlich ist der Baum elementarer Bestandteil des Kunstwerks.

Bei den Überlegungen spielte selbstverständlich das Thema der Verkehrssicherheit eine wichtige Rolle. Eine Nachfrage bei der städtischen Versicherung hat ergeben, dass mit der Lage des Baumes in der Feldgemarkung außerhalb städtischer Bebauung eine eingeschränkte Verkehrsbedeutung dieses Bereiches einhergeht und somit eine durchaus überschaubare Gefahrenlage. Aus diesem Grund ist es ausreichend entsprechende Hinweisschilder anzubringen, die darauf besagen, dass aus Sicherheitsgründen weder auf den liegenden LIndenbaum geklettert noch sich unter ihm aufgehalten werden darf.

Gleichzeitig sollen mehrere Stecklinge gezogen werden. Wenn diese dann groß genug sind, soll in ein paar Jahren eine neue Linde, die genetisch dieselbe LInde ist wie die alte, gepflanzt werden. Dann würden entsprechend die "Reste" der alten Linde entfernt. Was dann mit dem Holz passiert muss entsprechend geklärt werden. Das Wachstum "des neuen" Baumes kann dann in der Vitrine proportional zu der umgefallenen Linde verfolgt werden.


Das Lindenbäumchen, gelegen an der verlängerten Freiligrathstraße unweit der A661, ist über Jahrhunderte ein besonderer Ort in Oberursel. 
Einst war hier der Ort Mittelstedten, an der alten Linde wurde Gericht gehalten und über Generationen hinweg war und ist das im Volksmund genannte „Lindenbäumchen“ ein beliebter Treffpunkt.

Der Regionalpark will die Besonderheiten in den verschiedenen Landschaften zwischen den Städten in der verdichteten und zersiedelten Rhein-Main-Region für die Bevölkerung hervorheben. Dies erfolgt durch den Aufbau eines Routennetzes mit attraktiven Anlaufpunkten z.B. zum Wandern oder Fahrradfahren. Sie will Natur und historische Orte erlebbar machen und so zur Identifikation der Bevölkerung beitragen. Der Regionalpark RheinMain ist ein regionales Gemeinschaftsprojekt und gilt als regionales Erfolgsprojekt. Mit der Realisierung des Projektes am Lindenbaum im Bereich Taunushang an einem wichtigen Verbindungsweg zwischen Oberursel und Bad Homburg wird ein weiterer Beitrag geleistet, um besondere Merkmale und Eigenarten der Landschaft zwischen den Städten zu zeigen, aufzuwerten und zu schützen.

  • Kunstwettbewerb

    Die Regionalpark RheinMain Taunushang GmbH hatte gemeinsam mit der Stadt Oberursel (Taunus) und dem Kultur- und Sportförderverein Oberursel e.V. (KSfO) fünf Bildende Künstlerinnen und Künstler zu einem beschränkten Wettbewerb für das Regionalparkprojekt „Zeitenwandel“ eingeladen. Im Rahmen des Wettbewerbs sollte ein dauerhaftes Kunstwerk an der mindestens 400 Jahre alten Gerichtslinde im Mittelstedter Feld entstehen, das diesen besonderen historischen Ort in Szene setzt und dem gewachsenen Stück Natur und seiner Geschichte Respekt zollt. Dabei ging es weniger um Illustration, sondern vielmehr um eine zeitgenössische künstlerische Interpretation und Umsetzung des Themas.

    Voraussetzung war, dass sowohl die alte Gerichtslinde als auch die jüngere, vor etwa 30 Jahren durch den Heimat- und Geschichtsverein und den Taunusklub direkt daneben neu gepflanzte Linde, erhalten bleiben. Darüber hinaus waren die Vorgaben der Landwirtschaft und der Unteren Naturschutzbehörde zu beachten. Ferner gehörten die landschaftliche Gestaltung des Ortes sowie die Schaffung einer Aufenthaltsqualität ebenso zur Aufgabe wie eine Einschätzung der Folgekosten von Kunstwerk und landschaftlicher Gestaltung des Ortes.

    Die Durchführung des Wettbewerbs und die Auswahl der Künstler wurden durch die Kuratorin Heike Strelow begleitet. 
    Weitere Projektverantwortliche sind Anja Littig für die Regionalpark RheinMain Taunushang GmbH und Udo Keidel-George für die Stadt Oberursel (Taunus) und den Kultur- und Sportförderverein Oberursel e.V.

  • Siegerentwurf

    Am 7. Dezember 2016 wurde in einer Jurysitzung - nach Vorprüfung durch Sachverständige der Unteren Naturschutzbehörde, des Heimat- und Geschichtsvereins und vom Bau- und Service Oberursel - das international bekannte Künstlerteam Winter/Hoerbelt als Sieger des beschränkten Kunstwettbewerbs gekürt. Jurymitglieder waren Bürgermeister Hans-Georg Brum, Bernd Lienhard vom KSfO, Vertreter der Landwirtschaft, des Regionalparks RheinMain sowie externe Kunstsachverständige.

    Die Künstler stellen das „stehende Totholz“ des Lindenbäumchens in einen weißen kubischen Rahmen, der die Anmutung einer Vitrine hat. Der dreidimensionale Bilderrahmen stellt die einst so prächtige Linde wieder in ein proportionales Verhältnis zu ihrer Umgebung, und zwar unabhängig von ihrer weiteren gesundheitlichen Entwicklung. Die Vitrine, die entlang der Regionalparkroute von Oberursel über Oberstedten nach Bad Homburg führt, ist schon von weitem zu sehen und weist dabei in der von landwirtschaftlichen Flächen geprägten Landschaft auf diesen historischen Ort hin.

    Bestandteil des Wettbewerbsbeitrags von Winter/Hoerbelt ist neben dem „Baum als Skulptur“, dass zu der langen Geschichte der alten Gerichtslinde eine freie Geschichte geschrieben wird, die sich auf den Baum im Verhältnis zu seiner Umgebung bezieht. Dadurch soll diese auf den ersten Blick rein visuell erfahrbare Kunst im öffentlichen Raum eine kontinuierliche literarische Begleitung erfahren, die auf die Geschichte dieses Ortes eingeht. 
    Dafür konnten sie die junge studierte Kunsthistorikerin und Frankfurter Autorin Saskia Henning von Lange gewinnen, die mit ihren bisher erschienen Romanen schon wichtige Literaturpreise erhalten hat. Unter dem Titel „der Baum denkt“ wird sie Geschichten aus der langen Lebenszeit des Baumes erzählen. Dieser soll sich an Gerichtsverhandlungen, Liebesschwüre, Kinderspiele oder Missernten erinnern.

  • Kunst im öffentlichen Raum

    In der Vergangenheit ist es vielerorts gelungen, durch Kunstwerke, Veranstaltungen und Kunstaktionen im Stadtraum, Parks und in der Landschaft nicht nur ein unverwechselbares Erscheinungsbild zu zeichnen, sondern die Menschen für ihren eigenen Lebensraum zu aktivieren. Die besondere Wahrnehmung und Diskussion öffentlicher Kunstprojekte durch eine breite Schicht der Bevölkerung zeigt, dass Kunst diesen öffentlichen Raum in spezifischer Weise präsent machen kann und aktivierend für gesellschaftliche Diskussion wirkt.

    Gerade im Kontext des Regionalparks geht es auch um eine Stärkung der Identifikation der Menschen mit einer historisch gewachsenen Landschaft, die heute zunehmend von der Infrastruktur einer Metropolregion geprägt ist. Die bisherigen Projekte im Regionalpark haben definitiv zu einem wachsendem Bewusstsein für Region, deren Landschaft und ihre Geschichte geführt, die erst auf den zweiten Blick für sich einnimmt.

  • Lesungen - "Der Baum denkt" - Geschichten aus der langen Lebenszeit des Baumes

    Seit einiger Zeit hat die Autorin Frau Saskia Hennig von Lange mit der Recherche für ihre Geschichten aus der langen Lebenszeit des Baumes unter dem Titel „Der Baum denkt“ begonnen. Der Text wird über die zweijährige Dauer des Projekts immer weiter geschrieben und verändert sich dabei natürlich. Die erzählten Geschichten können einen realen Hintergrund im kollektiven Gedächtnis des Ortes haben, genauso ist es aber möglich, dass sie frei erfunden sind oder sich auf bereits bestehende Natur-Dichtungen beziehen oder diese zitieren. Wichtig ist es ihr, dass sie dabei auf die vielen Erinnerungen, Anekdoten und Geschichten zurückgreifen kann, die die Menschen in der Region mit dem uralten Lindenbaum verbinden.

    Die einzelnen Geschichten wechseln mit dem Wechsel der Jahreszeiten und werden viermal im Jahr von der Autorin selbst vorgetragen. Hennig von Lange möchte bei diesen Lesungen mit den Oberurselern ins Gespräch kommen und sich deren eigene, mit der Linde verbundenen Geschichten erzählen lassen, die dann wiederum Eingang in den sich immer weiter schreibenden Text finden können. Gerne können auch Fotos oder Zeichnungen zur Veranstaltung mitgebracht werden. Wer möchte, kann ihr die Geschichten auch erzählen oder Bilder schicken: die E-Mailadresse Lindenbaum.Oberursel@gmx.de wurde speziell dafür eingerichtet.

    Bei der Einweihung am 7. Oktober 2017 lauschten über 100 interessierte Menschen trotz widrigen Wetters der ersten Episode und viele waren sehr berührt von der Geschichte aus der langen Lebenszeit des Baumes, die eng mit der Lebensgeschichte eines Mädchens verwoben ist. Die Anspielung auf die Schafe, die einst dort weideten, haben bei manchem im Publikum Erinnerungen an die eigene Kindheit oder an Erzählungen von Vorfahren wach werden lassen. 
    Auch die folgenden Lesungen wurden von 60 – 80 Menschen besucht – und das jeweils bei Wetterlagen, die der Jahreszeit entsprachen. Während im Januar Kälte und Wind vorherrschten so waren es im Mai und August Hitze und Sonne. Wie gut, dass die "junge" Linde, die 1986 vom Heimat- und Geschichtsverein und dem Taunusklub gepflanzt wurde, den Zuhörenden genug Schatten spenden kann. Die Fotos auf der rechten Seite geben Eindrücke von der Linde und den Lesungen zu den unterschiedlichen Jahreszeiten wieder.
    Unter http://www.saskiahennigvonlange.de/lindenbaeumchen/ ist in einem Blog mehr über die Geschichte zu erfahren.


  • Erreichbarkeit des Lindenbäumchens | Wege-/Anfahrtsbeschreibung

    Alle Interessierten sind herzlich willkommen. 

    Die Linde befindet mitten im Feld, deshalb ist „Das Lindenbäumchen" über die landwirtschaftlichen Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen. 

    Bei Anfahrt mit dem PKW kann im Bereich der Freiligrathstraße / Bleibiskopfstraße geparkt und dann zu Fuß ca. 15 Minuten zum Lindenbäumchen gelaufen werden.

    Anfahrtsbeschreibung

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Saskia Hennig von Lange


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