Zeitkapsel für die Sicherheit von morgen – Stadt startet feierlich das Leuchtturmprojekt Gefahrenabwehrzentrum (GAZ) für Feuerwehr und Bevölkerungsschutz


Mit der feierlichen Einbringung einer Zeitkapsel setzte die Stadt Oberursel am Freitag einen historischen Meilenstein: Der Bau des neuen Gefahrenabwehrzentrums (GAZ) an der Lahnstraße geht in die heiße Phase der Umsetzung. Das 39 Millionen Euro schwere Projekt gilt als eines der größten Infrastrukturvorhaben der vergangenen Jahrzehnte in Oberursel – und als zentrales Zukunftsprojekt für Sicherheit und Daseinsvorsorge im gesamten Hochtaunuskreis.

Im Beisein zahlreicher Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Feuerwehr und Kreisverwaltung wurde die Zeitkapsel symbolisch in das Fundament eingelassen. Sie enthält unter anderem eine Chronik der Feuerwehr Oberursel, aktuelle Tageszeitungen, Fotografien der bisherigen Standorte an der Bleiche und der Marxstraße sowie verschiedene Symbole im Kontext Feuerwehren.

„Ein Versprechen an die Bürgerinnen und Bürger“

Bürgermeisterin Antje Runge betonte in ihrer Ansprache die außergewöhnliche Bedeutung des Projekts: „Das Gefahrenabwehrzentrum ist eines der wichtigsten Bauprojekte in der Geschichte unserer Stadt. Es steht für Sicherheit, Daseinsvorsorge und Resilienz. Wir investieren hier nicht nur in ein Gebäude, sondern in den Schutz der Oberurseler Bürgerinnen und Bürger – heute und für die nächsten Jahrzehnte. Zugleich ist der bisherige Standort der Oberurseler Feuerwehr in wesentlichen Aspekten des Arbeits- und Gesundheitsschutzes nicht mehr zeitgemäß.“

Runge verwies insbesondere auf die wachsenden Herausforderungen durch Klimawandel, Extremwetterereignisse und neue Risikolagen: „Starkregen, Waldbrände oder großflächige Stromausfälle sind Szenarien, auf die Kommunen heute vorbereitet sein müssen. Das GAZ schafft die infrastrukturellen Voraussetzungen, damit Oberursel auch in Krisen handlungsfähig bleibt.“ Sie ergänzte als weiteren Punkt: „Die aktuelle geopolitische Lage mit zahlreichen      Bedrohungsszenarien stärkt ebenfalls die Bedeutung von Zivilschutz und Krisenmanagement auf kommunaler Ebene. Die Stadt Oberursel handelt jetzt, um zukünftig vorbereitet zu sein.“

Politischer Kraftakt mit breitem Konsens

Stadtverordnetenvorsteher Lothar Köhler ordnete das Projekt politisch ein: „Der Weg bis zu dieser Grundsteinlegung war lang, intensiv und von vielen fachlichen Abwägungen geprägt. Umso wichtiger ist, dass dieses Projekt fraktionsübergreifend getragen wird. Das Gefahrenabwehrzentrum ist ein echtes Gemeinschaftswerk der Stadtpolitik.“ Köhler fuhr fort: „Mehr als 15 Jahre reichen die Anfänge der Planungen und ersten Gedanken zum Gefahrenabwehrzentrum zurück. Standorte wurden geprüft, Konzepte geschärft und Anforderungen fortgeschrieben. Die Interfraktionelle Arbeitsgruppe (IAG) wurde eingerichtet, um das Projekt langfristig zu begleiten und Transparenz zu sichern – ein sichtbarer Ausdruck des gemeinsamen Verantwortungsbewusstseins und einer einheitlichen Linie.“

Auch Erster Stadtrat und Feuerwehrdezernent Jens Uhlig sprach von einem außergewöhnlichen Kraftakt: „Mit einem Investitionsvolumen von rund 39 Millionen Euro ist das GAZ finanziell eine enorme Herausforderung – aber eine absolut notwendige. Sicherheit gehört zur Kernaufgabe kommunaler Daseinsvorsorge. Dieses Projekt ist eine richtige, verantwortungsvolle und zukunftsgerichtete Entscheidung.“

Uhlig ergänzte: „Heute betrachten wir, was gemeinsam über Jahre vorbereitet, geprüft und politisch mit großen Mehrheiten getragen wurde. Auch das ist ein Zeichen von funktionierender Demokratie. Feuerwehr, Verwaltung, Politik, BSO, Planer und Baupartner arbeiteten in klaren Rollen an diesem Meilenstein für die Stadt Oberursel.“

Uhlig dankte explizit dem städtischen Eigenbetrieb Bau & Service Oberursel (BSO): „Ohne die professionelle Koordination und Steuerung durch den BSO wäre ein Projekt dieser Größenordnung nicht umsetzbar.“

Neue Heimat der Wehr Mitte

Das neue Gefahrenabwehrzentrum wird künftig ebenfalls der Standort der Freiwilligen Feuerwehr Oberursel-Mitte und zugleich zentrale Plattform für alle Stadtteilwehren sein. Neben Fahrzeughallen für insgesamt 23 Einsatzfahrzeuge, moderne Werkstätten sowie spezialisierte Bereiche für Atemschutz, Einsatzlogistik und Materialwirtschaft entsteht vor allem ein leistungsfähiges Ausbildungszentrum für Oberursel. Mit umfangreichen Schulungs- und Fitnessbereichen, Räumen für Jugend- und Minifeuerwehr sowie realitätsnahen Übungsflächen, von Leitertraining und Einsatzübungen am Übungsturm bis hin zu Zugübungen mit unterschiedlichen Angriffswegen und Einsatzszenarien. Die Heißbrandausbildung ist dabei als integraler Bestandteil des Ausbildungskonzepts vorgesehen und stärkt die Einsatzvorbereitung auf höchstem Niveau.

Stadtbrandinspektor Valentin Reuter betonte die enorme Bedeutung für die Einsatzkräfte: „Hier entsteht ein Gebäude, das ein starkes Fundament für die Zukunft unserer Gefahrenabwehr legt. Was lange Zeit fachlich klar war, entsteht nun sichtbar – als zentraler Standort der Gefahrenabwehr. Der Neubau wird zentrale Plattform für alle wesentlichen Aufgaben – von der Einsatzkoordination über die Ausbildung bis hin zur Krisenbewältigung.“

Besonders wichtig sei die geplante Heißbrandausbildung: „Realitätsnahe Brandübungen unter sicheren Bedingungen sind für moderne Feuerwehrarbeit unverzichtbar. Sein ausdrücklicher Dank gelte dem Hochtaunuskreis und den Städten und Gemeinden im Kreis: Sie tragen dieses Vorhaben gemeinsam mit Oberursel und ermöglichen damit ein Projekt, das in dieser Form in hessischen Landkreisen bislang ohne Vorbild ist.“, so Reuter.

Regionale Strahlkraft

Landrat Ulrich Krebs hob die überregionale Bedeutung hervor: „Das Training von Brandeinsätzen unter Realbedingungen ist elementar, um Einsatzkräfte auch auf schwierigste Lagen vorzubereiten. Wir als Kreis und kommunale Familie wollen den Menschen, von denen der überwiegende Teil ehrenamtlich aktiv ist, gute Rahmenbedingungen für Aus- und Fortbildung bieten. Mit der neuen Anlage zur Realbrandausbildung kommen wir dieser Verpflichtung erneut nach. Ein solches Projekt umzusetzen, ist in Zeiten knapper Kassen auf allen Ebenen eine große Herausforderung. Umso mehr freue ich mich, dass es im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit gelungen ist, hier in Oberursel ein Projekt zu realisieren, von dem die Feuerwehren aller Kommunen profitieren – und damit letztlich jede Bürgerin und jeder Bürger des Hochtaunuskreises.“

Ehrenamt im Mittelpunkt

Wehrführer Uli Both sprach stellvertretend für die Feuerwehr Oberursel-Mitte: „Für uns ist dieser Neubau mehr als ein Arbeitsplatz – er ist Anerkennung und Wertschätzung für das Ehrenamt. Wir erhalten Bedingungen, die dem entsprechen, was heute an Sicherheit, Hygiene und Arbeitsschutz notwendig ist. Das Gebäude wird von mehreren Protagonisten getragen, ist gleichzeitig das Zuhause der Wehr Mitte.“ Both verwies auch auf die bisherigen Zustände am Standort Marxstraße: „Dort stoßen wir seit Jahren an bauliche und technische Grenzen sowie an herausfordernde Arbeitsbedingungen für die Feuerwehrleute. Das neue GAZ ist ein Quantensprung.“

Ausbildung als Schlüssel moderner Gefahrenabwehr

Der Präsident des Landesfeuerwehrverbands Hessen Norbert Fischer unterstrich während der Grundsteinlegung die Bedeutung moderner Ausbildungsinfrastruktur: „Die Sicherheit der Einsatzkräfte ist Voraussetzung für den Schutz der Bevölkerung – Ausbildung ist dafür der Schlüssel. Dynamischere Brandverläufe, komplexere Bauweisen und eine wachsende Einsatzbandbreite stellen neue Anforderungen an die Feuerwehren. Moderne Ausbildungsstätten stärken deshalb nicht nur Taktik, Kommunikation und Trupparbeit, sondern fördern auch einheitliche Standards über kommunale Grenzen hinweg – ein wichtiger Beitrag für sichere und erfolgreiche Einsätze.“

Autarkes Krisenzentrum der Stadt

Neben der Feuerwehr wird im GAZ auch die Stabsstelle Brand- und Zivilschutz der Stadtverwaltung untergebracht. Das Zentrum ist als vollständig autark betriebsfähiges Krisenzentrum konzipiert, das im Ernstfall über eigene Energieversorgung, Kommunikationsstrukturen, Einsatzlogistik und Verwaltungsarbeitsplätze verfügt.

Damit wird das GAZ nicht nur operatives Feuerwehrzentrum, sondern als Herzstück der kommunalen Resilienzstrategie zugleich Schaltstelle der gesamten städtischen Krisensteuerung. Im Ernstfall wird hier die gesamte Einsatzkoordination für Stadt und Bevölkerung gebündelt.

Zeitkapsel als Symbol für Generationen

Zum Abschluss der Veranstaltung wurde die Zeitkapsel in das Fundament eingelassen. Bürgermeisterin Runge formulierte die symbolische Bedeutung: „Wenn diese Kapsel in 50 oder 100 Jahren geöffnet wird, wird sie erzählen: Diese Stadt hat Verantwortung übernommen. Für ihre Bürgerinnen und Bürger. Für ihre Einsatzkräfte. Und für kommende Generationen.“

Projekt in Zahlen

Das neue Gefahrenabwehrzentrum entsteht auf einem rund 14.500 Quadratmeter großen Grundstück an der Lahnstraße in unmittelbarer Nähe zur A661. Die geplante Bruttogeschossfläche beträgt rund 9.400 Quadratmeter. Die Baukosten belaufen sich nach aktueller Planung auf 39 Millionen Euro. Die Fertigstellung ist für Mitte des Jahres 2027 vorgesehen.

 

Antje Runge                           Jens Uhlig

Bürgermeisterin                   Erster Stadtrat             


                   

Foto Bildnachweis: Stadt Oberursel

Zu sehen sind im Mittelpunkt des Bildes v.l.n.r. Stadtbrandinspektor Valentin Reuter, Bürgermeisterin Antje Runge, Erster Stadtrat  Jens Uhlig und Wehrführer der Feuerwehr Oberursel-Mitte Uli Both beim gemeinsamen Einbringen der Zeitkapsel.