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Bürgermeisterin Antje Runge gratuliert Brigitte Buchsein zum Bundesverdienstkreuz
Brigitte Buchsein aus Oberursel ist mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Bürgermeisterin Antje Runge gratuliert im Namen der Stadt Oberursel und persönlich sehr herzlich zu dieser besonderen Auszeichnung. Die Auszeichnung wurde Buchsein am Mittwoch, 15. April 2026, in der Hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden überreicht.
„Brigitte Buchsein steht in besonderer Weise für gelebte Teilhabe und dafür, Barrieren im Alltag sichtbar zu machen und abzubauen. Sie bringt ihre Erfahrungen in vielfältiger Weise ein – beratend und gestaltend. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag für eine offene und inklusive Stadtgesellschaft. Ihr Engagement zeigt eindrucksvoll, wie wichtig es ist, Perspektiven sichtbar zu machen und aktiv in gesellschaftliche Prozesse einzubringen.
Dass dieses außergewöhnliche Wirken nun mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt wird, ist hochverdient und ein starkes Zeichen der Anerkennung – weit über Oberursel hinaus“, betont Bürgermeisterin Antje Runge und führt fort: „Zu dieser besonderen Auszeichnung gratuliere ich Brigitte Buchsein sehr herzlich. Ihr herausragender Einsatz für Teilhabe und Gemeinschaft ist auch für Oberursel von großer Bedeutung.“
Langjähriges Engagement für Teilhabe und Barrierefreiheit
Seit dem Jahr 2004 engagiert sich Brigitte Buchsein in der Blindenselbsthilfe und setzt sich auf lokaler, landes- und bundesweiter Ebene für die Belange blinder und sehbehinderter Menschen ein. Im Mittelpunkt stehen dabei die Verbesserung baulicher und digitaler Barrierefreiheit, die Beratung von Betroffenen und Angehörigen sowie die Entwicklung von Angeboten für Kinder und Jugendliche mit Sehbehinderung und deren Familien.
Darüber hinaus stärkt sie aktiv das Ehrenamt, initiiert inklusive Angebote – etwa im Bereich von Museen und Theater – und bringt ihre Expertise in politische Prozesse ein. Aktuell ist sie stellvertretende Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenbundes in Hessen sowie Mitglied eines Fachausschusses für Barrierefreiheit auf Bundesebene.
Engagement mit konkreter Wirkung vor Ort
Auch in Oberursel selbst wirkt Brigitte Buchsein seit vielen Jahren aktiv an der Weiterentwicklung einer barrierefreien Stadt mit. In enger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung bringt sie ihre Perspektive frühzeitig in Planungsprozesse ein – etwa bei Straßenprojekten oder konzeptionellen Vorhaben wie dem Blindenleitsystem im Rathausgebäude. So wird auch der inklusive Gedanke lebendig, dass die Stadtverwaltung Oberursel sich um die Belange jedes Menschen kümmert.
Der Magistrat der Stadt Oberursel gratuliert: „Wir arbeiten seit vielen Jahren sehr konstruktiv mit Frau Buchsein zusammen. Sie begleitet unsere Projekte engagiert und zugleich positiv-kritisch. Gerade bei der Erstellung des Fußverkehrskonzepts hat sie sich intensiv eingebracht. Ihre Hinweise helfen uns, Planungen frühzeitig zu verbessern und die Anforderungen sehbehinderter Menschen besser zu berücksichtigen.“
Ein außergewöhnlicher Lebensweg
Brigitte Buchsein ist seit ihrer frühen Kindheit blind. Bereits im Alter von sechs Jahren musste sie ein Internat besuchen, da es in ihrem Heimatort keine Grundschule für blinde und sehbehinderte Kinder gab. Früh lernte sie, Herausforderungen anzunehmen und ihren eigenen Weg zu gehen.
Nach dem Abitur studierte sie Wirtschaftsingenieurwesen und arbeitete viele Jahre erfolgreich in ihrem Beruf. Parallel engagierte sie sich als Schwerbehindertenvertreterin und setzte sich früh für die Interessen anderer ein.
Engagement und Glaube – verbunden im Alltag
Ergänzend zu ihrem langjährigen Engagement entschied sich Brigitte Buchsein, ihrer persönlichen Berufung zu folgen, und studierte Theologie in Frankfurt und Mainz. Heute ist sie Vikarin in der evangelischen Kirchengemeinde Oberstedten und bringt ihre Erfahrungen auch dort ein – unter anderem im Bereich der Sehbehindertenseelsorge sowie in Projekten zur Inklusion innerhalb der Gemeinde.
Ein besonderes Beispiel für ihr Wirken ist ein von ihr gestaltetes inklusives Gottesdienstformat: der sogenannte Dunkelgottesdienst. Dieser wird in nahezu vollständiger Dunkelheit gefeiert und lenkt den Fokus bewusst weg vom Sehen hin zu anderen Sinneseindrücken wie Klängen, Worten, Düften und Berührungen. Ziel ist es, neue Zugänge zu Spiritualität und Gemeinschaft zu eröffnen – unabhängig von visuellen Wahrnehmungsmöglichkeiten.
Mit diesem Ansatz greift Brigitte Buchsein auch ihre eigene Lebensrealität auf und macht erfahrbar, wie vielfältig Wahrnehmung sein kann. Gleichzeitig zeigt sie, wie Kirche inklusiver gestaltet werden kann. Ein solcher Gottesdienst bot beispielsweise unter dem Titel „Wie das duftet“ ein intensives Erlebnis für alle Sinne und ermöglichte Gemeinschaft jenseits des Sichtbaren.
„Ich arbeite einfach gern mit Menschen. Zuhören, im Gespräch sein, gemeinsam Lösungen finden – das gehört für mich ganz selbstverständlich dazu. Ob in der Beratung, im Ehrenamt oder in der Gemeinde: Mir ist wichtig, dass Menschen gut zurechtkommen und sich ernst genommen fühlen“, sagt Brigitte Buchsein.
Teilhabe als Leitgedanke
Ihr Wirken verbindet fachliche Expertise, persönliche Erfahrung und gesellschaftliches Engagement. Dabei geht sie offen mit ihrer eigenen Situation um und trägt dazu bei, Unsicherheiten im Umgang mit Blindheit abzubauen. Mit ihrem Einsatz – in der Selbsthilfe, in der Beratung und in der Gemeinde – leistet Brigitte Buchsein einen wichtigen Beitrag zu einer inklusiven und solidarischen Gesellschaft.
Antje Runge
Bürgermeisterin
Foto Bildnachweis: Stadt Oberursel
Zu sehen sind v.l.n.r. die Preisträgerin des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland Brigitte Buchsein und Oberursels Bürgermeisterin Antje Runge während der Feierlichkeiten in der Hessischen Staatskanzlei am 15. April 2026 in Wiesbaden.
