Stadt Oberursel und Mariposas e.V. setzen Krippenprojekt am vorgesehenen Standort nicht um


Die Stadt Oberursel und Verein Mariposas e.V. werden das geplante Projekt einer Kinderkrippe in den Räumlichkeiten der Taunushalle in Oberstedten nicht weiterverfolgen. Die entsprechende Vorlage zur Zuschussvereinbarung wurde vor der Sitzung des Sozial,- Kultur- und Bildungsausschuss am Dienstag zurückgezogen.

Hintergrund

Der Entscheidung sind intensive Beratungen über die aktuelle Betreuungssituation im U3-Bereich vorausgegangen. Während die Fachausschüsse ein klares Votum für die Umsetzung dieses Projektes empfohlen haben, entwickelte sich eine breite öffentliche und politische Diskussion. In deren Folge haben sich die politischen Rahmenbedingungen und die Aussichten auf eine verlässliche Mehrheit für das Projekt wesentlich verändert.

Für den Aufbau und den langfristigen Betrieb einer Kinderkrippe braucht ein Träger nicht nur Räume und eine finanzielle Grundlage. Er braucht auch Verlässlichkeit, Vertrauen und das Gefühl, mit seinem Engagement in der Stadt willkommen zu sein. Diese Voraussetzungen werden seitens der Verantwortlichen in der gegenwärtigen Situation nicht mehr in ausreichendem Maße als gegeben angesehen.

Familien für institutionelle Krippenbetreuung

Der Magistrat bedauert diese Entwicklung. Die Verwaltung stand und steht fachlich hinter der Projektidee. Die geplante Förderung beruhte nicht allein auf der Frage, ob im Stadtgebiet rechnerisch ausreichend U3-Betreuungsplätze vorhanden sind. Ausschlaggebend waren ebenso die tatsächlichen Anmeldedaten und die unterschiedlichen Betreuungswünsche der Oberurseler Familien.

Diese zeigen, dass viele Familien gezielt eine institutionelle Krippenbetreuung nachfragen. Freie Plätze in einzelnen Betreuungsformen bedeuten daher nicht zwangsläufig, dass die vorhandene Angebotsstruktur vollständig dem tatsächlichen Bedarf entspricht. Eine bedarfsgerechte Betreuungspolitik berücksichtigt neben der Gesamtzahl der Plätze auch die gewünschte Betreuungsform, die benötigten Betreuungszeiten, die Erreichbarkeit und die Verlässlichkeit des Angebots.

Ergänzung des bestehenden Angebots

Mit der Kinderkrippe von Mariposas e. V. sollte die bestehende Betreuungslandschaft ergänzt und nicht die Kindertagespflege verdrängt werden. Kindertagespflege und institutionelle Betreuung erfüllen unterschiedliche Bedürfnisse und sind aus Sicht der Stadt gleichermaßen wichtige Bestandteile eines vielfältigen Betreuungsangebots.

„Ich persönlich bedauere sehr, dass das Projekt unter den inzwischen entstandenen Rahmenbedingungen nicht umgesetzt werden kann. Die Verwaltung war von dem pädagogischen Konzept und dem Engagement des Vereins mehr als überzeugt. Immerhin haben sich die Verantwortlichen im Verein mehr als vier Jahre mit großem Engagement und Fachverstand für die Umsetzung in Oberursel eingesetzt“, zeigt sich Stadtrat Andreas Bernhardt sichtbar betrübt. „Bedingt durch unterschiedliche Akteure ist eine Situation entstanden, die das konkrete Projekt nahezu ausschließlich unter dem Gesichtspunkt zusätzlicher Platzzahlen und möglicher Konkurrenzen betrachtet. Der pädagogische Wert des Angebotes, der deutliche Wunsch an einer institutionellen Betreuung seitens der Familien und das große Engagement und die Motivation der Verantwortlichen im Verein Mariposas sind dabei zunehmend in den Hintergrund geraten. Ich bedanke mich heute ausdrücklich bei Jasmin Paul und Fenja Goetz für ihre intensiven Vorbereitungen, für das pädagogische Engagement und für die hohe Bereitschaft, Verantwortung für die Oberurseler Betreuungslandschaft zu übernehmen“, so Bernhardt weiter.

Auch Mariposas e. V. bedauert, dass die intensive Vorbereitung nach mehr als vier Jahren nicht in eine Umsetzung mündet. „Wir haben viel Zeit, Fachlichkeit und Herzblut in dieses Vorhaben investiert. Für den erfolgreichen Aufbau einer neuen Einrichtung benötigen wir jedoch ein Umfeld, das dem Projekt mit ausreichender Verlässlichkeit und Akzeptanz begegnet. Diese Grundlage sehen wir zum jetzigen Zeitpunkt am vorgesehenen Standort leider nicht mehr“, erklärt Jasmin Paul. Mariposas e. V. bedauert insbesondere, dass das Projekt im Verlauf der öffentlichen Diskussion zunehmend mit Fragen der Konkurrenz zwischen verschiedenen Betreuungsformen verbunden wurde. Dies entspricht weder der Zielsetzung des Vereins noch dem ursprünglichen Charakter des Vorhabens. „Unser Wunsch war von Anfang an, mit Mariposas einen weiteren Ort für Kinder und Familien in Oberursel zu schaffen, das bestehende Betreuungsangebot zu bereichern und damit auch etwas von dem zurückzugeben, was uns persönlich mit Oberursel verbindet“, so der Verein.

Projektidee bleibt bestehen

Man ist sich aber einig, dass die fachliche Idee des Projekts weiterhin überzeugt. Die Entscheidung gegen die jetzige Umsetzung ist deshalb keine grundsätzliche Absage an das Konzept oder an eine künftige Zusammenarbeit.

„Im Ergebnis haben sich der vorgesehene Zeitpunkt und der konkrete Standort für das Projekt als nicht realisierbar erwiesen. Der Magistrat wird aber mit dem Verein Mariposas e. V. weiterhin im Gespräch bleiben und prüfen, ob die Projektidee unter veränderten Rahmenbedingungen und gegebenenfalls an einem anderen Standort wieder aufgegriffen werden kann“, so Stadtrat Bernhardt abschließend.

 

Andreas Bernhardt

Stadtrat