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Kunsttäter finden neue Heimat in der Marxstraße
Die Zukunft des Vereins Kunsttäter e. V. in Oberursel ist gesichert. Der Hochtaunuskreis hatte Ende vergangenen Jahres aufgrund baulicher Risiken die Schließung der Räumlichkeiten an der Feldbergschule veranlasst. Auf Initiative von Bürgermeisterin Antje Runge wurden für den Verein anschließend verschiedene Räumlichkeiten geprüft und in diesem Prozess auf dem ehemaligen Gelände des DRK-Ortsvereins in der Marxstraße schließlich zur Verfügung gestellt.
Am Montag, 24. August 2026, besichtigte Runge gemeinsam mit dem Ersten Vorsitzenden des Vereins, Andreas Hett und Mitglied des Vereinsteams, Raffael Wunner die künftige Werkstatt. Ein Großteil der Materialien und Arbeitsgeräte ist bereits umgezogen; parallel dazu laufen die weiteren Einrichtungsarbeiten. Die neuen Räume stehen dem Verein nun zunächst zwei Jahre zur Verfügung. Die betroffene Fläche wird gleichzeitig baulich neu entwickelt. Neuer Wohnraum soll entstehen.
„Was Andreas Hett vor 26 Jahren mit der Bildhauerwerkstatt initiiert hat, ist eine Oberurseler Erfolgsgeschichte: Rund 1.000 junge Menschen haben dort Unterstützung, Struktur und neue Perspektiven gefunden. Zugleich haben sie mit ihren künstlerischen Werken sichtbare Spuren im Stadtbild hinterlassen. Für mich ist deshalb klar: Dieses besondere und erfolgreiche Angebot muss in Oberursel eine Zukunft haben. Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, dem Verein mit den Räumlichkeiten in der Marxstraße eine tragfähige Perspektive zu eröffnen“, betont Bürgermeisterin Antje Runge.
Ein Projekt mit langer Geschichte
Die „Bildhauerwerkstatt Kunsttäter” wurde im Juli 2000 von Andreas Hett (Dipl. Sozialarbeiter und Kunsttherapeut) zusammen mit Johannes Seel und Regina Planz ins Leben gerufen. Bis zum Jahr 2011 war der Kultur- und Sportförderverein Oberursel e.V. (KSfO) Träger der Bildhauerwerkstatt.
Im Jahr 2011 gründete Andreas Hett den Verein Kunsttäter e.V., um die Arbeit unabhängiger fortzuführen. Startort war bis zum Jahr 2004 das alte Umspannwerk in Oberursel. Nach einem kurzen Abstecher in den Keller des ehemaligen Rathauses Oberstedten, konnte endlich eine langfristige und geeignete Bleibe gefunden werden. Seit dem Jahr 2006 war das Projekt in der ehemaligen Kfz-Werkstatt der Feldbergschule beheimatet. Die Miete für die Werkstatt wurde vom Kultur- und Sportförderverein Oberursel e.V. (KSfO) übernommen.
Am 23. Dezember 2025 kam die kritische Mitteilung des Hochtaunuskreises: Erhebliche bauliche Mängel, insbesondere am Dach der Werkstatt, machten eine Fortsetzung der Arbeit unmöglich. Zunächst hieß es, dass die Schließung im September 2026 geschehen müsse. Ein weiteres Scheiben kurz danach im Anschluss lieferte gleichzeitig nur noch eine Frist von vier Wochen; zuvor wurden die Räume zwischenzeitlich komplett geschlossen.
Die kurzfristig notwendig gewordene Schließung hatte in deren Folge eine intensive öffentliche Diskussion ausgelöst und den Verein vor die existenzielle Frage gestellt, wo und wie sein Angebot fortgeführt werden kann.
Das Konzept der Kunsttäter verbindet künstlerisches und handwerkliches Arbeiten mit fachlicher sowie sozialpädagogischer Begleitung. Angesprochen werden vor allem Jugendliche und Heranwachsende in schwierigen Lebenssituationen. Dazu gehören auch junge Menschen, die in der Werkstatt gerichtlich angeordnete Arbeitsauflagen erfüllen. Beim Gestalten von Skulpturen und anderen Kunstwerken erfahren sie Anerkennung, Verbindlichkeit und Selbstwirksamkeit. Gleichzeitig entdecken sie Fähigkeiten, die ihnen neue persönliche und berufliche Perspektiven eröffnen können.
„Derzeit betreut der Verein sechs junge Menschen im Auftrag der Jugendämter. Für sie wäre ein Ende des Werkstattbetriebs der Verlust eines unverzichtbaren Halts. Zugleich leisten die Kunsttäter einen wertvollen Beitrag zur Prävention und zur gesellschaftlichen Teilhabe. Ihre Arbeiten werden öffentlich präsentiert und bereichern teilweise dauerhaft das Oberurseler Stadtbild. So wird aus der persönlichen Förderung junger Menschen ein Gewinn für die gesamte Stadtgesellschaft“, unterstreicht Bürgermeisterin Antje Runge.
Bürgermeisterin stößt Suche nach einer Lösung an
Unmittelbar nach Bekanntwerden der erforderlichen Schließung setzte sich Bürgermeisterin Antje Runge dafür ein, den Kunsttätern eine weitere Arbeit in Oberursel zu ermöglichen. Sie initiierte die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten und brachte dabei den ehemaligen Standort des DRK-Ortsvereins in der Marxstraße als mögliche neue Bleibe ins Gespräch. Gemeinsam mit den beteiligten Stellen wurden anschließend die fachlichen, organisatorischen und vertraglichen Voraussetzungen für eine Nutzung geprüft und geschaffen.
Die dort verfügbaren Flächen sichern nicht nur den Fortbestand des Projekts, sondern eröffnen zugleich zusätzlichen Spielraum für seine weitere Entwicklung. Neben den ehemaligen Fahrzeughallen des DRK, die sich hervorragend als Werkstatt eignen, bietet das Gebäude Raum für Aufenthalt und eine kleine Galerie.
Mit der Genehmigung der Nutzungsänderung konnte der Umzug kurzfristig beginnen. Nun werden die Räume schrittweise für die künstlerische und pädagogische Arbeit hergerichtet.
Neue Möglichkeiten für die weitere Arbeit
Andreas Hett zeigte sich erleichtert über die gefundene Lösung: „Der neue Standort bietet viele neue Möglichkeiten.“ Sein Dank gelte insbesondere Bürgermeisterin Antje Runge, der Stadt Oberursel und allen weiteren Beteiligten, die sich für den Erhalt des Projekts eingesetzt und den kurzfristigen Wechsel in die Marxstraße unterstützt hätten.
Antje Runge
Bürgermeisterin
Foto Bildnachweis: Stadt Oberursel
Zu sehen ist Bürgermeisterin Antje Runge beim Besuch der neuen Räumlichkeiten der „Kunsttäter“ in der Marxstraße im Austausch mit dem Ersten Vorsitzenden des Vereins, Andreas Hett und Mitglied des Vereinsteams, Raffael Wunner.
