Eine Woche unbeschwert Kind sein – 44 Kinder aus Vasylkiv zu Gast in Oberursel


Eine Woche lang lachen, schwimmen, Eis essen, Ausflüge machen, neue Freundschaften schließen und einfach Kind sein: Vom 2. bis 9. August 2026 waren 44 Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 17 Jahren aus der ukrainischen Stadt Vasylkiv erneut zu Gast in Oberursel. Begleitet wurden sie von vier Betreuerinnen.

Vasylkiv liegt unweit der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw. Der russische Angriffskrieg prägt dort seit Jahren den Alltag der Kinder und Jugendlichen. Umso wertvoller waren die Tage in Oberursel: eine Woche, in der die Sorgen zumindest zeitweise in den Hintergrund treten durften und stattdessen Gemeinschaft, Freude und unbeschwerte Erlebnisse im Mittelpunkt standen.

Möglich wurde diese besondere Ferienfreizeit vor allem durch eine beeindruckende Welle der Hilfsbereitschaft. Mehr als 23.000 Euro spendeten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger sowie weitere Unterstützerinnen und Unterstützer. Hinzu kamen viele Sachleistungen, Einladungen und zahlreiche Stunden ehrenamtlichen Engagements.

„Dass so viele Menschen bereit waren, diese Ferienfreizeit bereits zum zweiten Mal mit Spenden, ihrer Zeit oder ganz praktischer Unterstützung möglich zu machen, berührt mich sehr. Jeder einzelne Beitrag hat dazu beigetragen, den Kindern eine Woche zu schenken, in der sie sich sicher fühlen, lachen und unbeschwert sein konnten. Wie viel das für die Familien bedeutet, hat eine Mutter während einer kurzen Videoschalte beim Abschlussfest noch einmal sehr eindrücklich zum Ausdruck gebracht. Diese große Solidarität und dieser Gemeinsinn machen mich dankbar und stolz“, betont Stadtrat Andreas Bernhardt.

Freundschaft, die mit Leben gefüllt wird

Im Juni 2025 hatten die Städte Oberursel und Vasylkiv einen Freundschaftsvertrag unterzeichnet. Bereits wenige Wochen später wurde diese Verbindung mit Leben gefüllt: Im August 2025 kamen erstmals 34 Kinder aus Vasylkiv zu einer Ferienfreizeit nach Oberursel. Schon damals stand nach der gemeinsamen Woche fest, dass diese Begegnung keine einmalige Aktion bleiben soll.

Da im letzten Jahr noch ein  Teil des Spendenaufkommens nicht verausgabt wurde,  konnte die Einladung in diesem Jahr sogar auf 44 Kinder und Jugendliche ausgeweitet werden. Damit der Bus auch komplett ausgelastet ist. Auf die jungen Gäste wartete ein abwechslungsreiches Programm. Dazu gehörten Besuche im Schwimmbad, in der Lochmühle und im Opel-Zoo, ein Ausflug zum Frankfurter Main Tower mit anschließender Schifffahrt, ein Bummel durch das Skyline Plaza sowie Besuche im Maislabyrinth, in der Stadtbücherei und auf der Bommersheimer Kerb. Auch ein Flohmarktbesuch in Bad Homburg und viele gemeinsame Abende standen auf dem Programm.

Ab und an waren es gerade die kleinen Momente, die besonders in Erinnerung blieben: ausgelassenes Tanzen bei der Disco im Kulturzentrum, die Fahrt mit dem Wasserboot in der Lochmühle, mutige Sprünge vom Drei-Meter-Brett im Schwimmbad oder die vielen Gespräche und das gemeinsame Lachen am Abend.

Im Laufe der Woche fand auch ein Austausch im Rathaus statt. Bürgermeisterin Antje Runge empfing Nataliia Beliakova, Leiterin für internationale Arbeit der Stadt Vasylkiv und zugleich eine der vier Betreuerinnen. Gemeinsam sprachen sie über künftige Projekte, weitere Hilfen und Begegnungen.

„Unsere Städtefreundschaft mit Vasylkiv ist ein Zeichen gelebter europäischer Solidarität und kommunaler Verantwortung. Sie soll dauerhaft durch konkrete Hilfe, einen kontinuierlichen Austausch zwischen den Verwaltungen, gemeinsame Projekte und – sobald es die Lage zulässt – persönliche Begegnungen und gegenseitige Besuche mit Leben gefüllt werden. Gerade weil Vasylkiv unter den Folgen des russischen Angriffskrieges leidet, werden wir auch künftig bedarfsgerechte Hilfslieferungen unterstützen. Zugleich wollen wir voneinander lernen und die Verbindung zwischen den Menschen beider Städte weiter vertiefen“, sagt Bürgermeisterin Antje Runge.

Aus Fremden wurde eine Gemeinschaft

Besonders beeindruckend war zu erleben, wie schnell aus Kindern und Jugendlichen, die sich teilweise erst kurz vor der Reise kennengelernt hatten, eine Gemeinschaft entstand. Beim großen Abschlussfest gestalteten sie gemeinsam eine ukrainische Freundschaftsfahne. Dazu gab es viele emotionale Momente.

Was von dieser Woche bleibt, lässt sich kaum allein in Programmpunkten beschreiben. Es waren vor allem die Gesichter der Kinder, die im Laufe der Tage zunehmend gelöst, fröhlich und unbeschwert wirkten. Für einige Zeit durften sie Abstand gewinnen von einem Alltag, der von Krieg, Unsicherheit und Sorgen geprägt ist, und einfach Kinder sein.

Zum Abschied wartete noch eine besondere Überraschung auf die Gäste: Auf den Hotelzimmern standen für alle Kinder und Jugendlichen neue Schulrucksäcke bereit. Die Idee dazu war im Vorfeld aus Vasylkiv an die Stadt herangetragen worden. Ursprünglich galt der Wunsch den älteren Kindern der Gruppe; für die Verantwortlichen in Oberursel stand jedoch fest, dass alle Kinder ein solches Geschenk erhalten sollten. So nahmen sie nicht nur viele Erinnerungen, sondern auch ein sichtbares Zeichen der Freundschaft mit nach Hause.

Ein großes Dankeschön an viele helfende Hände

Eine Ferienfreizeit in dieser Größenordnung wäre ohne die Unterstützung zahlreicher Menschen und Institutionen nicht möglich gewesen. Der besondere Dank gilt deshalb allen Spenderinnen und Spendern, die mit ihrer Großzügigkeit die finanzielle Grundlage geschaffen haben.

Ebenso gilt der Dank den Gastronominnen und Gastronomen, sowie Bäcker und Metzgereien, die die Gruppe eingeladen und bewirtet haben, der Lochmühle und dem Opel-Zoo für ihre Gastfreundschaft, der Bürgerstiftung Oberstedten sowie dem Team des Elaya Hotels, das den Kindern während ihres Aufenthalts ein Zuhause auf Zeit geboten und sich mit großer Herzlichkeit um seine jungen Gäste gekümmert hat.

Ein besonderer Dank geht außerdem an Katharina Rhode für die Organisation der Schulrucksäcke, an die zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer des Vereins zur Förderung der Oberurseler Städtepartnerschaften (VFOS) e. V. und des NaschD.I.M. e. V. sowie an die Mitarbeitenden des Rathauses, die auch außerhalb ihrer regulären Arbeitszeiten jederzeit für die Kinder im Einsatz waren.

In einer der kommenden Sitzungen des Sozial-, Bildungs- und Kulturausschusses wird ausführlich über die Ferienfreizeit berichtet.

„Dieser Besuch der ukrainischen Kinder und Jugendlichen hat eindrucksvoll gezeigt, was entstehen kann, wenn viele Menschen gemeinsam helfen. Aus Spenden werden Erlebnisse, aus Engagement wird Geborgenheit und aus einer Städtefreundschaft entstehen persönliche Begegnungen. Die 44 Kinder und Jugendlichen nehmen nicht nur viele schöne Erinnerungen mit nach Hause, sondern auch die Gewissheit, dass es in Oberursel Menschen gibt, die an sie denken und denen ihr Schicksal nicht gleichgültig ist. Wir danken sehr für jedwede Unterstützung, die den Besuch aus der Ukraine in unserer Stadt ermöglicht hat, sei es in Form von Spenden, Sachleistungen und persönlichem Engagement“, erklären Bürgermeisterin Antje Runge und Stadtrat Andreas Bernhardt gemeinsam.

 

Antje Runge                                                   Andreas Bernhardt

Bürgermeisterin                                            Stadtrat


Foto: Stadt Oberursel

Kinder und Jugendliche aus der mit der Brunnenstadt befreundeten Stadt Vasylkiv in der Ukraine während des einwöchigen Aufenthalts in Oberursel