Erinnerung als Auftrag für die Zukunft 


Am Freitag, 8. Mai, versammelten sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger zur Gedenkstunde am Mahnmal neben der Hospitalkirche in der Oberurseler Altstadt. 81 Jahre nach der Kapitulation Deutschlands im Jahr 1945 gedachten Vertreterinnen und Vertreter der Stadtgesellschaft gemeinsam der Opfer von Krieg, Nationalsozialismus und Gewaltherrschaft. Gemeinsam mit zahlreichen Vereinen, Initiativen sowie Bürgerinnen und Bürgern legten Stadtverordnetenvorsteher Lothar Köhler und Erster Stadtrat Jens Uhlig Blumen am Opferdenkmal nieder.

Die Veranstaltung wurde von der Initiative Opferdenkmal e.V. ausgerichtet. Neben Vertreterinnen und Vertretern der Stadt nahmen unter anderem Mitglieder der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hochtaunus e.V. teil.

Frieden und Demokratie sind keine Selbstverständlichkeit

In seiner Ansprache erinnerte Erster Stadtrat Jens Uhlig an die historische Bedeutung des 8. Mai und zog zugleich eine eindringliche Verbindung zur Gegenwart: „Der 8. Mai mahnt uns, die Vergangenheit nicht zu vergessen. Wir erinnern heute an Millionen Opfer von Krieg, Verfolgung und Gewaltherrschaft. Gerade in einer Zeit, in der weltweit wieder Kriege, Terror und geopolitische Spannungen zunehmen – sei es durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Gewalt im Nahen Osten oder zahlreiche oftmals vergessene Konflikte in anderen Teilen der Welt – wird deutlich, wie zerbrechlich Frieden, Demokratie und Menschenrechte sein können.

Umso wichtiger ist es, wachsam zu bleiben und unsere Demokratie zu schützen. Erinnerungskultur ist deshalb weit mehr als ein Blick zurück – sie gibt Orientierung für unser Handeln heute und in Zukunft. Besonders beeindruckend ist dabei das Engagement vieler Menschen hier in Oberursel, etwa der Schülerinnen und Schüler der Feldbergschule sowie der Initiative Opferdenkmal und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hochtaunus. Sie alle leisten einen wichtigen Beitrag dafür, dass Erinnerung lebendig bleibt und Menschlichkeit, Respekt und Demokratie gestärkt werden.“

Erinnerungskultur wird in Oberursel aktiv gelebt

Die Gedenkveranstaltung machte erneut deutlich, welch hohen Stellenwert die Erinnerungskultur in der Brunnenstadt besitzt. Jährlich kommen am 8. Mai sowie am Holocaust-Gedenktag im Januar Menschen in Oberursel zusammen, um gemeinsam innezuhalten und der Opfer zu gedenken.

Annette Andernacht von der Initiative Opferdenkmal e.V. betonte die Bedeutung lokaler Erinnerungsarbeit:
„Das Mahnmal und die Stolpersteine machen sichtbar, dass die Opfer des Nationalsozialismus keine abstrakten Zahlen waren, sondern Menschen aus unserer Mitte. Als Initiative Opferdenkmal setzen wir uns deshalb seit vielen Jahren dafür ein, ihre Geschichten und Schicksale in Oberursel sichtbar zu halten. Besonders wichtig ist uns dabei, dass sich auch junge Menschen mit der Geschichte auseinandersetzen und dazu beitragen, dass die Erinnerung lebendig bleibt.“

Die Initiative Opferdenkmal e.V. engagiert sich seit Jahren dafür, die Namen und Geschichten lokaler NS-Opfer sichtbar zu machen – unter anderem durch das Mahnmal an der Hospitalkirche sowie durch Stolpersteine im Stadtgebiet. Gemeinsam mit der Feldbergschule, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hochtaunus e.V. und der Stadt Oberursel wurden bereits 18 Stolpersteine verlegt.

Erste Stolperschwelle wird im September verlegt

Ein weiterer wichtiger Schritt der Erinnerungsarbeit folgt am 3. September um 13 Uhr auf dem Gelände der Reformhausakademie in Oberstedten. Dort wird erstmals in Oberursel eine sogenannte Stolperschwelle verlegt. Anders als einzelne Stolpersteine bietet sie mehr Raum für Informationen – insbesondere dort, wo mehrere Menschen Opfer nationalsozialistischer Verbrechen wurden.

Die Verlegung erfolgt gemeinsam mit dem Künstler Gunter Demnig, der das europaweite Kunst- und Erinnerungsprojekt „Stolpersteine“ in den 1990er-Jahren ins Leben gerufen hat.

Jens Uhlig und Annette Andernacht warben in diesem Zusammenhang zugleich um Unterstützung für das Projekt. Für die Umsetzung der Stolperschwelle werden weiterhin Spenden gesammelt. Spenden sind möglich auf das Konto der Taunus Sparkasse mit der IBAN DE65 5125 0000 0007 0015 92, Stichwort „Stolpersteine“.

Erinnerung braucht Haltung und Menschlichkeit

Die im Boden eingelassenen Gedenktafeln erinnern nicht nur an die Vergangenheit, sondern richten ihren Appell auch an die Gegenwart: Nur durch gegenseitiges Verständnis, Menschlichkeit und den entschlossenen Einsatz für Demokratie und Frieden kann die wichtigste Lehre aus der Geschichte bewahrt werden – in Oberursel, in Deutschland und überall auf der Welt.

 

Jens Uhlig

Erster Stadtrat


Fotos Bildnachweis: Stadt Oberursel

Auf einem Foto sind zahlreiche Besucherinnen und Besucher der Stadtgesellschaft der Brunnenstadt auf der Veranstaltung der Initiative Opferdenkmal e.V. vor der Hospitalkirche am Mahnmal zu erkennen, während Erster Stadtrat Jens Uhlig seine Rede zum Gedenktag hält.

Auf dem zweiten Foto sind v.l.n.r. Erster Stadtrat Jens Uhlig und Stadtverordnetenvorsteher Lothar Köhler zu sehen, wie sie 81 Jahre nach der Kapitulation Deutschlands im Zweiten Weltkrieg im Jahr 1945 am 8. Mai 2026 Blumen zum Mahnmal an der Hospitalkirche bringen, um diese dort in Gedenken an die Opfer von Krieg, Nationalsozialismus und Gewaltherrschaft gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern Oberursels niederzulegen.