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„Wir schwärmen für unsere Region“
Die Regionalpark Wanderbienen sind wieder unterwegs: An der Agrar-Kultur-Achse in Oberursel fiel der offizielle Startschuss für die neue Bienensaison. Wie bereits in den vergangenen Jahren macht sich der Bienenwagen der Frankfurter Künstlergruppe „finger“ (Florian Haas und Andreas Wolf) erneut auf den Weg entlang des Taunushangs.
Das Projekt „Regionalpark-Wanderbienen“ vermittelt anschaulich die Bedeutung der Bienen für unsere Ökosysteme und macht die Vielfalt der Landschaft im Rhein-Main-Gebiet erlebbar. Gleichzeitig lädt es dazu ein, das Verhältnis zwischen Mensch und Natur neu zu betrachten. Die Agrar-Kultur-Achse bietet ideale Bedingungen und ein reichhaltiges Nahrungsangebot für die Bienen.
Der Frühling hat spürbar Einzug gehalten: Frisches Grün und erste Blüten prägen das Landschaftsbild – der richtige Zeitpunkt, um die Wanderbienen wieder auf Reisen zu schicken.
Mit dem Fahrrad zum ersten Standort
Aus ihrem Winterquartier am Alten Flugplatz Frankfurt in Bonames/Kalbach machten sich Florian Haas und Andreas Wolf frühmorgens mit dem Fahrrad auf den Weg. Im Gepäck: drei Bienenvölker, die nun zu ihrer zehnten Wanderung entlang der Regionalparkrouten aufbrechen.
Ziel war die Agrar-Kultur-Achse in Bommersheim, wo die Bienen von Bürgermeisterin Antje Runge und dem Ersten Kreisbeigeordneten Thorsten Schorr begrüßt wurden.
Schorr nutzte den Termin auch in seiner Funktion als Aufsichtsratsmitglied der Regionalpark Dachgesellschaft und betonte: „Ein spannendes und erfolgreiches Projekt, das heute bereits in die 12. Saison geht. Bienen sind für unsere Lebensweise und die Artenvielfalt essenziell. Die Landwirtschaft ist auf die kleinen Bestäuber angewiesen. Sie unterstützen mit ihrer Arbeit den Erhalt unserer Landschaft und machen so unsere Region erlebbar – ein persönliches Anliegen für mich. Dass dabei ein Honig entsteht, der die Vielfalt unserer Landschaft widerspiegelt, ist ein schöner Nebeneffekt.“
Unterstützung vor Ort – Bildungsangebot für Kinder

Bürgermeisterin Antje Runge betonte: „Die Regionalpark Wanderbienen zeigen eindrucksvoll, wie eng Natur, Landwirtschaft und unser Alltag miteinander verbunden sind. Bienen sind für die Bestäubung und damit für unsere Nahrungsgrundlagen unverzichtbar – dabei geht es nicht nur um die Honigbiene, sondern auch um die vielen Wildbienenarten, die eine ebenso wichtige Rolle für unsere Ökosysteme spielen. Das Projekt macht diese Zusammenhänge anschaulich und schafft einen niedrigschwelligen Zugang zu Umweltbildung – gerade für Kinder und Familien. Solche Angebote stärken das Bewusstsein für unsere natürlichen Lebensgrundlagen und zeigen, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit unserer Umwelt ist.“
Runge dankte insbesondere den Landwirten Oliver Lüdecke und Florian Bickert, die die Agrar-Kultur-Achse seit dem Jahr 2011 bewirtschaften und das Projekt unterstützen. Die Regionalpark-Rundroute sei ein lebendiger Ort für Spaziergänger, Radfahrende und zahlreiche Kindergruppen.
Nach Absprache bieten die Imker bis Ende Juli Workshops für KiTa-Gruppen und Schulklassen an den jeweiligen Stationen an. Dabei beantworten sie Fragen und ermöglichen Einblicke in die Arbeit im Bienenwagen. Darüber hinaus richtet sich mit dem kostenfreien Workshop „Honig für kleine Stadtimker“ ein spezielles Angebot an Kinder im Vorschul- und Grundschulalter: Spielerisch entdecken sie die Lebenswelt der Bienen, probieren verschiedene Honige und Pollen und erhalten im Rahmen eines kleinen „Honigfrühstücks“ einen altersgerechten Zugang zu den Produkten der Bienen. Im Anschluss können die Wanderbienen vor Ort beobachtet werden – außerhalb und, mit entsprechender Schutzkleidung, auch im Bienenstock.
Wissen, Austausch – und ein erster Vorgeschmack

Vor Ort gaben die Künstler und Imker Einblicke in das Leben der Bienen, ihre Arbeitsweise und die Bedeutung saisonaler Trachtquellen. Bei Letzteren handelt es sich um natürliche Nahrungsquellen, aus denen Bienen ihre „Tracht“ beziehen – also das, was sie in den Bienenstock für das Bienenvolk eintragen.
Groß war das Interesse am bereits gewonnenen Regionalpark-Honig 2025, der direkt verkostet werden konnte. Ein Blick in den Bienenwagen war jedoch noch nicht möglich – die Völker benötigen nach dem Transport zunächst Ruhe.
Die Bienen bleiben bis Mitte Mai an ihrem Standort und profitieren vom vielfältigen Nektar- und Pollenangebot. „Es macht uns immer wieder Freude, neue Aspekte der Landschaft zu entdecken und künstlerisch Geschichten über Bienen und ihre Umgebung zu erzählen“, so Haas und Wolf. Gerade bei Kindern sei das Interesse an diesen Themen besonders groß.
Das Projekt – Bienenwissen kreativ vermittelt
Wie leben Bienen im Rhein-Main-Gebiet? Welche Bedingungen brauchen sie – und welchen Gefahren sind sie ausgesetzt?
Mit solchen Fragen beschäftigt sich die Künstlergruppe finger seit Jahren. Auf großformatigen Bildgeschichten am Heck des Bienenwagens erklärt die fiktive Bienenlehrerin Frau Polli anschaulich die Welt der Bienen. Die sogenannten Graphic Novels verbinden künstlerisches Erzählen mit Umweltbildung und laden zum Entdecken ein.
Ein aktuelles Beispiel ist die Graphic Novel „Bienen unter Strom“: In farbenfrohen, detailreichen Szenen wird gezeigt, wie Bienen ihre Umwelt wahrnehmen und welche Rolle etwa elektrische Ladungen oder das Erdmagnetfeld für ihre Orientierung spielen. Spielerisch wird dabei vermittelt, wie sich Bienen im Flug elektrostatisch aufladen, wie Pollen auf sie übergehen und wie empfindlich sie auf äußere Einflüsse reagieren. Die Figur der Bienenlehrerin Frau Polli führt dabei durch die Darstellung und macht komplexe Zusammenhänge leicht verständlich – insbesondere für Kinder und Familien.
Rücksichtnahme in Feld und Flur
Die Feldgemarkung ist zugleich Arbeitsraum für die Landwirtschaft und Erholungsraum für die Bevölkerung im dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet. Ein respektvolles Miteinander ist daher unerlässlich.
Wer auf den Wegen bleibt, landwirtschaftlichen Fahrzeugen Platz macht, Felder und Wiesen nicht betritt, keinen Müll hinterlässt und Hunde anleint, trägt aktiv zum Schutz der landwirtschaftlichen Arbeit und zum Erhalt unserer Kulturlandschaft bei.
Antje Runge
Bürgermeistern
Fotos: Dominik Pietsch
Begeistert von den Wanderbienen (von links): Bürgermeisterin Antje Runge, Jens Gessner aus der Abteilung Nachhaltigkeit, Imker und Künstler Florian Haas, Anja Littig von der Regionalpark Taunushang GmbH, Erster Kreisbeigeordneter Thorsten Schoor, Kjell Schmidt und Britta Baums von der Regionalpark-Dachgesellschaft sowie die Landwirte Oliver Lüdecke und Florian Bickert.
