Aktiv auch während der pandemie

Schwerpunkt Jugendarbeit in der Portstrasse Jugend & Kultur

Schwerpunkt Jugendarbeit in der Portstrasse Jugend & Kultur

Bereits im vergangenen Jahr wurden in der Port­strasse, Oberursels Zentrum für Jugend und Kultur, weitreichende Veränderungen eingeläutet. Am 1. August hatte Stephanie Yam-Brennan die Leitung übernommen und das frühere „Forum für Jugend und Kultur“ wurde in die „Portstrasse Jugend & Kultur“ umstrukturiert.

Parallel zu den strukturellen Veränderungen wurde unter der Leitung von Stephanie Yam-Brennan und Kornelia Benner, Abteilungsleiterin Offene Kinder- Jugend- und Seniorenarbeit, gemeinsam mit dem Team der Portstrasse seit letztem Sommer an einer weitergehenden Neukonzeption gearbeitet. Die Politik hatte beschlossen, dass es die Einrichtung des Jugendbüros in seiner ursprünglichen Form nach dem Dienstende des langjährigen Leiters Achim Hasselberg Ende Januar 2021 nicht mehr geben würde und diese Stelle nicht neu besetzt wird. Daher wurde in den zurückliegenden Monaten kon­zeptionell daran gearbeitet, in welcher Form ein großer Teil der bisherigen Aufgaben des Jugend­büros in die Arbeit der Portstrasse integriert wird.

Jugend und Kultur sind die Schwerpunktbereiche der Portstrasse, weiterhin ist sie die zentrale Einrichtung der Stadt für Jugendliche. Das Angebot der Portstrasse ist vielfältig: sie ist Kontakt- und Beratungsstelle, hat einen offenen Treff, bietet verschiedene Freizeit- und Bildungsangebote, Workshops und Veranstaltungen für alle Alters­gruppen, während die Arbeit im Jugendbüro aus­schließlich Projektbezogen war. Die Beteiligung und die Teilhabe (Partizipation) aber waren in beiden Einrichtungen der offenen Jugendarbeit – Jugend­büro und Portstrasse Jugend & Kultur – immer schon fester Bestandteil der Arbeit mit jungen Menschen.

Partizipation zeichnet sich durch Mitbestimmung und Einbeziehung von Interessen der Jugendlichen aus. Dazu braucht es neben ein paar offenen Ohren und aufmerksamen Sozialarbeitern auch einen vertrauensvollen Rahmen, in dem Jugendliche ihre Anliegen, Bedürfnisse und Wünsche äußern können und Räume, in denen sie sich außerhalb von ihrem Elternhaus und Schule entfalten können und sein dürfen.

Portstrasse Jugend & Kultur – Wir sind für euch da!

Obwohl die Portstrasse in den vergangenen Monaten aufgrund der Corona-Pandemie leider oft geschlossen bleiben musste, wird Jugendarbeit dort weiter praktiziert und weiter entwickelt für eine nahe Zukunft unter normalen Bedingungen: offen und präsent trotz Schließung!

Im vergangenen Jahr wurde immer schnell und flexibel auf die jeweilige Situation reagiert: Hygiene­pläne wurden ausgearbeitet, Plexiglaswände in­stalliert, Öffnungszeiten und Angebotsstrukturen an­gepasst, Onlinekonzerte und andere Streaming-Ver­anstaltungen durchgeführt wie z.B. die New­comerTV Nacht oder die Preisverleihung des Deutschen Kita-Preises.

Für Jugendliche, die Unterstützung bei der Erledi­gung von Schulaufgaben, Beratung beim Finden eines Ausbildungsplatzes oder einfach nur einen ruhigen PC-Platz oder Drucker benötigen, wurde ein Angebot etabliert, das den Vorgaben und Hygiene­richtlinien entspricht.

Täglich können, nach Anmeldung und zeitlich ge­taktet, Jugendliche in die Portstrasse kommen. Damit die Beratung und Unterstützung bei den Schulaufgaben coronakonform von statten gehen, werden telefonisch Termine vereinbart für die Zeiten Montag bis Freitag, 13.00 bis 18.00 Uhr, nach Absprache auch abweichende Termine.

Über Social Media wird der Kontakt zu den Jugendlichen kontinuierlich gehalten. Tagesaktuelle Infos, Rätselspiele oder auch interaktive Schatz­suchen laufen via Instagram und werden gut ange­nommen.

Mobile Jugendarbeit

Um den persönlichen Kontakt auch außerhalb der Portstrasse zu bewahren, wurde die Präsenzzeit der Mobilen Jugendarbeit im öffentlichen Raum seit Corona stark erhöht. In einem festen Rhythmus werden alle Stadtteile sowie das Innenstadtgebiet regelmäßig aufgesucht. Besonders an den ausge­wiesenen Jugendflächen wie auch anderen öffent­lichen Plätzen findet der Dialog mit Jugendlichen statt.

Beratung

Die Angebote im Bereich Hausaufgabenbetreuung, Hilfen zur Berufswahlorientierung, Suchtberatung sowie der allgemeinen Beratung für Jugendliche und junge Erwachsene sind hoch frequentiert. Neben den pädagogischen Kompetenzen zeichnet sich das Team durch Sprachenvielfalt aus. Ver­schiedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Teams beherrschen mehrere Sprachen. Insgesamt kann so Beratung und Hilfe in sieben Sprachen (deutsch, englisch, türkisch, iranisch (farsi), afgha­nisch, in­disch (hindi), arabisch und spanisch) ange­boten werden, was sich als sehr vorteilhaft erwiesen hat.

Zuwendung und Vertrauensbildung haben sich als sehr bedeutsamer Faktor für die Reichweite von Einzelfall- und Integrationshilfen erwiesen.  Jugend­liche bringen Geschwister, Eltern und Bekannte mit, die normalerwiese nicht zum Besucherkreis der Portstrasse zählen würden. In den zurückliegenden Monaten verzeichnet das Team eine deutliche Zunahme und Verdichtung im Bereich der persönlichen Beratung.

Kooperationen und Projekte: Bildung & Kultur, Beteiligung & öffentlicher Raum, Jugendpolitik

Der Jugendleseclub B.L.U.D.S. (Bücher Lesen Und Darüber Sprechen), bisher im Jugendbüro ange­dockt, wird ab sofort in Kooperation zwischen Stadt­bücherei und Portstrasse weitergeführt. Weitere Projekte des Jugendbüros wie die Wohnzimmer­konzerte und der Poetry Slam werden ebenso von der Portstrasse fortgeführt. Beide Veranstaltungs­formate fanden bereits im großen Saal der Port-strasse statt und werden von dort aus auch weiterhin mit organisiert. Der Kontakt zu den hier erfahrenen Jugendlichen konnte weitgehend erfolg­reich übertragen werden, so dass sich schon alle auf die neuen Aktionen freuen – sobald dies wieder möglich sein wird.

Der Dirt Bike Park in Oberursel Nord, ein weiteres, sehr aktuelles Projekt, das vom Jugendbüro initiiert und von dort aus auch begleitet wurde, wird mit der Portstrasse durch die Phase der Umsetzung ge­führt. Die Arbeitsgruppe „Oberursel unter der Lupe“ hat hier zwischenzeitlich die Regie übernommen. Ein Mitarbeiter der mobilen Jugendarbeit ist seit Ende 2020 Mitglied dieser Arbeitsgruppe und wird im aktuellen Projekt die Zusammenarbeit mit der Portstrasse koordinieren. 

Die Initiative Fridays For Future hatte vergangenen September in gemeinsamer Aktion die Hauswände der Portstrasse mit großen, selbst gestalteten Pla­katen nächtlich illuminiert, um auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam zu machen. Eine weiter­führende Zusammenarbeit mit Fridays For Future ist bereits in Planung und wird als wichtiges Element jugendpolitischer Arbeit eingeordnet. Umweltschutz und Umweltbewusstsein sind wichtige, jugendrele­vante Themenkomplexe, die aktiv und program­matisch Gewicht finden sollen. 

Der Stadtschülerrat als Instanz der Interessenver­tretung und aktiv für jugendrelevante Themen in Oberursel, wird in der Portstrasse Raum und Unter­stützung finden für die weitere Arbeit. Einzigartige Aktionen wie die Talentshow Kick Faktor beim Brunnenfest oder das Schulbasketballturnier sind Beispiele für die erfolgreiche Koordinierung und Umsetzung von Jugendinteressen, die der Stadt­schülerrat mit dem Jugendbüro realisiert hat. Diese vorbildliche Arbeit wird durch die Jugendarbeit der Portstrasse weiter begleitet und entwickelt. 

„Gym“ und „Just Görlsss“ – zwei neue Formate

Der von Jugendlichen gewünschte Fitnessraum in der Portstrasse ist fertig eingerichtet! In gemein­schaftlicher Arbeit mit engagierten Jugendlichen wurde einer der ehemaligen Backstageräume im Keller in ein gut ausgestattetes „Gym“ verwandelt. Die ehemals plakatierten Wände wurden von einem talentierten Schüler mit Graffiti neu gestaltet und natürlich gibt es auch eine Chill-Ecke sowie einen Kühlschrank für Erfrischungen. Begleitet werden die Jugendlichen im Fitnessraum von zwei Mitarbeitern, die als Fitness-Trainer und Sportlehrer die erfor­derlichen Kompetenzen haben. Der beliebte und bewährte Mittwochssport soll planmäßig weiterhin in einer Schulturnhalle oder auf einer geeigneten Jugendfläche stattfinden, sobald es die Pandemie wieder zulässt. 

Zwei Samstage im Monat werden zukünftig für den offenen Mädchentreff „Just Görlsss“ reserviert. Die Mädchen gestalten das Programm selbst, in Beglei­tung und Unterstützung von zwei Mitarbeiterinnen. Von Kochaktionen über Yoga oder Museums­besuche ist alles möglich – auch dies, sobald die Pandemie es zulässt.

Bildung und Kultur

Im allgemeinen Bereich der Kulturarbeit, insbe­sondere der Veranstaltungs- und Bühnenarbeit, wird es auch weiterhin vielfältige Kino-, Konzert- und Literaturveranstaltungen für alle Altersgruppen ge­ben. Jedoch wird der Veranstaltungskalender deut­lich stärker durch die Interessen der Jugendlichen geprägt sein und innovativer gestaltet werden. So könnten z.B. auch durch Social Media populär gewordene Influencer bald auf der Oberurseler Bühne stehen.

Ein neues Projekt in Planung ist das „Koope­rationskino“. Hierbei steht die gemeinsame Gestal­tung des Filmerlebnisses, des Settings im Vorder­grund. Jugendliche planen ihre Filmsession selbst und führen diese auch gemeinsam durch. Eine Zusammenarbeit mit anderen Oberurseler Bildungs­einrichtungen wird explizit initiiert.

Das Team

Aktuell arbeiten in der Portstrasse sechs Fachkräfte, inklusive der mobilen Jugendarbeit/ Streetwork, die sich auf vier Vollzeit- und zwei Teilzeitstellen verteilen. Das Team der Portstrasse verfügt über breit gefächerte Qualifikationen. Die Mitarbeiter­innen und Mitarbeiter haben unterschiedliche Kompetenzen, die gezielt eingesetzt werden für die unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkte und Formate. Explizite Zuständigkeitsbereiche sind vorgesehen, wie am Beispiel der oben erwähnten Trainerkompetenzen für die sportlichen Aktivitäten, den verschiedenen Sprachkenntnissen für den Beratungsbereich oder der passenden Begleitung bei der Arbeit mit den Mädchen oder den Kreativ-Workshops. Die Fachkräfte arbeiten somit auf differenzierten Ebenen, beachten dabei aber die gemeinsame Zielorientierung, die Ausgewogenheit der Bereiche, Transparenz, Offenheit und die gebo­tene Schlüssigkeit und Ganzheitlichkeit des kon­zeptionellen Rahmens. 

Christof Fink

Erster Stadtrat