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Bodensanierung in der Eppsteiner Straße ist abgeschlossen

Bodensanierung in der Eppsteiner Straße erfolgreich abgeschlossen

Am 10. Dezember 2020 wird die Bodensanierungs­anlage in der Eppsteiner Straße abtransportiert – damit geht eine technisch anspruchsvolle Sanierung erfolgreich dem Ende entgegen.

In den zurückliegenden Jahren wurde in der Altstadt von Oberursel der mit leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW) belastete Standort eines ehemaligen chemischen Betriebes mit dem Verfahren der sogenannten Dampf-Luft-Injektions­sanierung (DLI) zum Schutz der Anwohnerinnen und Anwohner abgereinigt. Hierzu wurde der Boden mittels Dampf-Luft-Injektion aufgeheizt und die sich im Untergrund befindlichen LHKW verdampft. Die Schadstoffe wurden so mit der Bodenluft abgesaugt und diese über Aktivkohle abgereinigt.

Im Zuge der Sanierung wurden mehr als vier Tonnen Schadstoff aus dem Untergrund entfernt.

Im Laufe der 2012 begonnenen Sanierung wurde immer wieder der Anlagenbetrieb angepasst, so dass die technisch verfügbare Schadstofffracht aus dem Untergrund entfernt werden konnte.

Im Jahr 2019 zeigte sich, dass die Schadstoffaus­tragsraten – trotz der durch die Dampf-Luft-Injektion weiterhin hohen Temperaturen im Untergrund – deutlich rückläufig waren. Daher wurde die Aufheizung des Untergrundes in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium im Sommer 2019 ein­gestellt. Der Boden kühlt seitdem ab. An nahezu allen Absaugbrunnen wurde das von der Geneh­migungsbehörde vorgegebene Sanierungsziel er­reicht.

In einem Bereich auf der Sanierungsfläche befinden sich noch Restbelastungen im Untergrund, die zu­künftig mit einer kleinen Bodenluftsanierungsanlage gesichert werden.

Zusätzlich wurde nach Genehmigung durch das Regierungspräsidium im Sommer 2020 eine Grund­wassersanierung mit dem sogenannten ISCO-Verfahren durchgeführt, bei dem die LHKW im Grundwasser mit einem Oxidationsmittel zerstört werden. Im Zuge dieser Grundwassersanierung konnten damit die LHWK-Konzentrationen im Grundwasser auf der Sanierungsfläche in einigen Bereichen zusätzlich reduziert werden.

Ziel der Sanierung war, die Raumluftqualität in den Gebäuden auf der Sanierungsfläche nach­haltig zu verbessern. Die störungsfreie Nutzung der Wohn­räume durch die Bewohnerinnen und Be­wohner stand dabei also im Mittelpunkt. Dieses Ziel wurde mit der Sanierung erreicht: Seit mehreren Monaten sind die in den Gebäuden eingesetzten Raum­luftreinigungsgeräte außer Betrieb, da die in der Raumluft der betroffenen Räume nach­weisbaren Schadstoffe auf ein niedriges Niveau gesenkt werden konnten.

Im Rahmen einer Nachsorgephase erfolgt auch zu­künftig eine enge Überwachung des Grundwassers, der Bodenluft und Raumluft in den Gebäuden. Mit Hilfe dieses Monitorings wird auch in Zukunft die Einhaltung niedriger Schadstoffkonzentrationen überwacht und sichergestellt.

„Mit der Durchführung dieser Sanierung hat die Stadt Oberursel mit hohem Aufwand einen großen Umweltschaden aus der Vergangenheit beseitigt. Wir konnten den Boden in diesem Bereich der Altstadt erfolgreich sanieren – die Lebensqualität der betroffenen Anwohner hat sich dadurch verbessert. Außerdem wurde durch die Sanierung auch das Grundwasser substantiell entlastet. Mein Dank gilt der Geduld der Nachbarn, sowie dem Einsatz der beteiligten Mitarbeiter von Stadtver­waltung, Fachbehörden und Fachfirmen. Aufgrund der industriellen Historie der Stadt wird der Grund­wasserschutz und das Thema Altlasten­sanierung für Oberursel weiter im Fokus städtischen Handelns stehen. Dabei werden wir auch in Zukunft eng mit dem zuständigen Regierungspräsidium zusammen­arbei­ten“, so Erster Stadtrat Christof Fink.

Die Kosten der Sanierung beziffern sich auf zirka drei Millionen Euro.

Hintergrund

Auf dem hinteren Teil eines Grundstückes in der Eppsteiner Straße in Oberursel (Taunus) wurde in den 1950er Jahren bis Mitte der 70er Jahre eine chemische Fabrik mit Destillation und/ oder Fass­wäscherei betrieben. Im Rahmen der Altstadt­sanierung erwarb die Stadt Oberursel (Taunus) im Jahr 1976 das Grundstück. Die darauf befindlichen Gebäude wurden niedergelegt.

Mitte 2002 beauftragte die Stadt Oberursel (Taunus) die Untersuchung des Bodens auf diesem Grund­stück. Auslöser waren Informationen über die oben genannte Vornutzung durch den chemischen Be­trieb, der bei seinen Arbeiten leichtflüchtige Kohlen­wasserstoffe (LHKW) zur Reinigung von Fässern benutzt hatte.

Das mit der Untersuchung beauftragte Ingenieur­büro aus Oberursel dokumentierte in seinem ersten Gutachten 2002 eine Verunreinigung des Bodens und regte weitergehende Untersuchungen an. Etwa zu gleichen Zeit erstellte das Regierungspräsidium ein Grundwassermodell für Oberursel, um auf die Herkunft einer im Grundwasser festgestellten LHKW-Belastung schließen zu können.

Nachdem Grundwasseruntersuchungen in der Epp­steiner Straße 2003 und 2004 ohne Ergebnis geblieben waren, erfolgte 2005 eine weitere Erkundung des Standortes, das daraufhin vor­gelegte Gutachten des Ingenieurbüros stellte 2006 fest, dass der Boden, die Bodenluft und das Grundwasser des untersuchten Grundstücks in der Eppsteiner Straße mit LHKW kontaminiert waren. 

Unmittelbar danach erfolgten in Abstimmung mit den betroffenen Anwohnern die erforderlichen Maßnahmen wie z.B. das Reinigen der Raumluft durch Aktivkohlefilter.

Um das Ziel einer nachhaltigen Sanierung zu erreichen, mussten die Möglichkeiten zur Besei­tigung der Altlast geprüft werden und es waren zusätzliche Gutachten erforderlich. Diese wurden 2007 bis 2009 als Grundlage für das Sanierungs­konzept erarbeitet.

Für die Auswahl des Sanierungsverfahrens wurde 2009 eine Variantenstudie durchgeführt, im An­schluss entschied sich die Stadt in Abstimmung mit der Aufsichtsbehörde für die Sanierung mit dem „Dampf-Luft-Injektionsverfahren“ (DLI), weil sich dieses in der Enge der bebauten Altstadt als die einzig praktikable Methode darstellte und durch­führbar war, ohne dass die Bewohner hätten um­gesiedelt werden müssen.

Es wurde festgelegt, das Verfahren zunächst in einer Pilotfläche im Echtbetrieb zu testen. Erst nach einer positiven Bewertung der Sanierungsergeb­nisse der Pilotfläche sollte das gesamte Sanie­rungsgebiet in Angriff genommen werden.

Im Februar 2012 erhielt die Stadt Oberursel den Sanierungsbescheid des RP Darmstadt für die Bodensanierung, in dem u.a. auch die zulässigen Emissionswerte und ein Schadstoffmonitoring gere­gelt wurden.

Im Sommer 2012 erfolgte die Sanierung des Ober­bodens, im Anschluss wurden die für die Dampf-Luft-Injektion notwendigen Infiltrations- und Ex­traktionsbrunnen niedergebracht. Nach einer Pilot­phase (2013/ 2014) begann die eigentliche Sanierung, die nun erfolgreich abgeschlossen wur­de.

Christof Fink

Erster Stadtrat