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Durchstich Nassauer Straße: Berechnungen im Verkehrsmodell liefern erste Daten

Durchstich Nassauer Straße: Berechnungen im Verkehrsmodell liefern erste Daten

Im November 2019 hatte die Stadtverordneten­versammlung die Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 257 „Verlängerung Nassauer Straße und Bahn­hofsumfeld“ beschlossen. Damit wurde grünes Licht gegeben für vertiefte Planungen und notwendige Untersuchungen zum Durchstich der Nassauer Straße zwischen Adenauerallee und Weingärten­umgehung sowie der Neuordnung der Flächen im Bereich des heutigen P&R-Platzes östlich des historischen Bahnhofsgebäudes.

Verschiedene verkehrliche Lösungen wurden in den vergangenen Monaten im Verkehrsmodell der Stadt Oberursel geprüft und auf ihre Sinnhaftigkeit unter­sucht. Im Vordergrund steht dabei nach wie vor das Finden von sicheren und flüssigen Verkehrs­führungsvarianten, die u.a. die Erreichbarkeit Ober­ursels für alle Verkehrsarten, die Erschließung des Planungsgebietes, die Beseitigung von Engpässen sowie die Berücksichtigung der Anwohnerbelange berücksichtigen. 

Hintergrund

Der Bebauungsplan Nr. 257 „Verlängerung Nas­sauer Straße und Bahnhofsumfeld“ umfasst eine ca. 35.700 m² große Fläche und erstreckt sich entlang der Nassauer Straße zwischen der Weingärten­umgehung, der Adenauerallee und dem Bahnhofs­vorplatz inkl. Bahnhofsgebäude. Im weiteren Verlauf wird noch der Bereich zwischen den U- und
S-Bahngleisen bis etwa zum Ende des heutigen
P&R-Parkplatzes überplant.

Mit diesem Bebauungsplan sowie mit dem Bebau­ungsplan Nr. 252 für das Wohnungsbauvorhaben „Gleisdreieck“ (Fläche westlich des Bahnüber­ganges) werden mehrere, vielschichtige Planungs­anforderungen bearbeitet und rechtlich abgesichert.

Die Realisierung des Gebäudekomplexes und des Durchstichs haben vielfältige, planungsrechtlich relevante Abhängigkeiten, wie z.B. Lärm, die mit zwei parallel laufenden Bebauungsplanverfahren für beide Bauvorhaben rechtssicher abgearbeitet wer­den. Damit wird verhindert, dass entweder die Straße oder der Gebäudekomplex nicht gebaut werden dürfen, weil sie zu große Auswirkungen auf das jeweils andere Vorhaben hätten.

Für den Durchstich wird im Detail der Streckenzug zwischen Adenauerallee und Weingärtenumgehung überplant. Vorgesehen ist hier eine zweispurige Straße, die zwischen der Weingärtenumgehung und der Adenauerallee dem KfZ-Verkehr vorbehalten ist. Für Fußgänger und Radfahrer wird eine attraktive und sichere Achse auf der nordwestlichen Seite ge­schaffen. Überplant werden soll außerdem der gesamte Kreuzungsbereich Nassauer Straße und Adenauerallee, der insbesondere attraktive Verbin­dungen für Fußverkehr, Radverkehr, ÖPNV (Bus) sowie den motorisierten Individualverkehr (MIV) bieten muss. Eine Vorplanungsskizze verdeutlicht die zu konkretisierenden Planungen für alle Ver­kehrsarten. Diese sieht vor, dass der U-Bahn­übergang Richtung Bommersheim für den KFZ-Verkehr gesperrt wird, er bleibt aber für Fußgänger, Radfahrer und Rettungsfahrzeuge uneingeschränkt passierbar.

Einbahnstraßen & Querspangen

Die Stadtverordnetenversammlung hatte im März 2017 einen Grundsatzbeschluss zur verkehrlichen Neuordnung des Bahnhofsbereichs gefasst. Darin wurde festgehalten, dass der Durchstich zur Wein­gärtenumgehung geprüft werden soll und Möglich­keiten eruiert werden, ob die Nassauer Straße zwi­schen der Feldbergstraße und „An den Drei Hasen“ als Einbahnstraßenpaar geführt werden kann.

„Das Ergebnis ist: Diese Führung funktioniert ver­kehrlich gut, ermöglicht notwendigen Lärmschutz und dient der Erschließung zu bebauender Areale. Insbesondere ist es möglich, diese Verkehrslösung umzusetzen, unabhängig vom Betrieb der Abstell­anlage durch die VGF. Der Anschluss an die Brücke „An den Drei Hasen“ ist problemlos zu realisieren, für die Querspangen sind vorbereitende, bauliche Maßnahmen bereits umgesetzt worden“, so Arnold Richter, Leiter des Geschäftsbereichs Stadtent­wicklung.

Der östlich des Bahnhofareals liegende Bereich zwischen U- und S-Bahntrasse (heute P&R-Platz und Brachfläche) ist noch unbebaut. Hier soll ein Parkhaus geplant werden, welches als P&R-Park­haus, Quartiersparkgarage und Fahrradparkhaus dient. Außerdem soll dort eine Mobilitätsstation mit Angeboten wie PKW-Verleih, Carsharing, Fahrrad­verleih, Lastenradverleih, Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge und der Bündelung von Bera­tungsangeboten entstehen. Außerdem werden an dieser Stelle Konzepte für eine Gewerbeentwicklung erarbeitet.

Was ist inzwischen passiert?

Verschiedene verkehrliche Lösungen wurden in den vergangenen Monaten planerisch und im Verkehrs­modell der Stadt Oberursel geprüft und auf ihre Sinnhaftigkeit untersucht.

Das Verkehrsmodell ist die Basis für weitergehende Gutachten und Untersuchungen. Es zeigt auf, wie sich Kfz-Verkehre verändern, wenn die Maßnahmen umgesetzt worden sind. Zum Vergleich wurden dabei zwei Fälle berücksichtigt: Der „Nullfall 2030“ geht davon aus, dass es keine Veränderungen gibt (weiterhin ohne Durchstich Nassauer Straße), einzig die bereits umgesetzte Tempobegrenzung auf Teilen der Homburger Landstraße käme zum Tragen und verschiedene Bauvorhaben sind darin realisiert. Der „Planfall 2030“ geht vom Durchstich der Nassauer Straße aus, einer neuen Verkehrs­führung im Bahnhofsquartier und der Schließung des Bahnübergangs in der Frankfurter Landstraße sowie der Einrichtung eines Zweirichtungsverkehrs. Auch hier sind verschiedene Bauvorhaben realisiert.

Im Modell wurde errechnet, wie sich die Verkehrs­belastung des MIV (Kfz/ 24h) verändert:

Der Durchstich würde von etwa 16.000 Fahrzeugen in 24 Stunden befahren werden. Sofern keine sons­tigen Maßnahmen ergriffen werden, hat dies folgen­de Auswirkungen auf das umliegende Straßennetz: Die Oberhöchstadter Straße würde im oberen Be­reich um ca. 6.000 Fahrten/ 24h entlastet werden. Durch die geplante Einbahnstraßenregelung im Bereich der Nassauer Straße würde die heutige Nassauer Straße um etwa 10.000 Fahrzeuge/ 24 h entlastet. Ebenso würde die Frankfurter Landstraße im Bereich des Alten Friedhofs entlastet.

Der attraktive Durchstich zieht Verkehre an, was zu einer Mehrbelastung der Adenauerallee um knapp 3.000 Fahrzeuge in 24 h führen kann. Hier sind ergänzende Maßnahmen notwendig.

Die Gablonzer Straße (+6.000) und der Hammer­garten (+3.000) würden deutlich stärker belastet, was aber angesichts der weitgehend unempfind­lichen Nutzungen unkritisch zu sehen ist.

Die Analyse der auf dem Durchstich fahrenden Kfz zeigt, dass es weitgehend Binnenverkehre, also Verkehre innerhalb Oberursels sind. Durchgangs­verkehre oder Verkehre von außerhalb spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Neben den verkehrstechnischen Untersuchungen wurde ein großes Augenmerk auf Gestaltungsideen der Stadträume und Kreuzungen gelegt. Der Leiter der städtischen Verkehrsplanung, Dr. Uli Molter, erläutert diesen integrativen Ansatz: „Die Stadt­räume ermöglichen eine Gestaltung mit hoher Aufenthaltsqualität, wenig Lärm, Grünflächen und kurzen Laufwegen. So kann die Bushaltestelle Oberursel Bahnhof (Fahrtrichtung Adenauerallee) auf den Platz des 17. Juni verlegt werden und ermöglicht dadurch deutlich kürzere Fußwege zwi­schen Bus und Bahnen.“

Zukünftig kann es zwei Hauptachsen für den Rad­verkehr geben: Eine Achse für den innerörtlichen Verkehr führt im Zweirichtungsverkehr von der Brennersmühle (Weingärtenumgehung) nördlich entlang der Nassauer Straße bis zur Pfingst­weidstraße. Der Weg ist geschützt und führt in wei­ten Teilen hinter der dicht bewachsenen Lärm­schutzwand entlang.

Die zweite Achse ist der geplante Radschnellweg Friedrichsdorf – Bad Homburg – Oberursel – Steinbach – Eschborn – Frankfurt, dieser verläuft südlich entlang der U-Bahn vorbei am alten Bahnwärterhäuschen, dem Bahnhofsvorplatz und der Personenunterführung. Ab dort führt der Weg entlang der S-Bahngleise Richtung „An den Drei Hasen“ und Bad Homburg. Die Feinverteilung erfolgt über die geplanten Querachsen.

Zu Fuß Gehende und Radfahrende werden im gesamten Areal über sogenannte Schutz­kreuzungen nach niederländischem Vorbild sicher geführt.

Fazit

„Ich freue mich, dass es uns nun gelungen ist, auf der Basis eines Modells belastbare Aussagen zur Machbarkeit des erhofften Durchstichs zu bekom­men. So rücken die Oberurseler Stadtteile näher zusammen und das Gewerbegebiet Süd wird noch besser angebunden. Es eröffnet außerdem die Möglichkeit einer attraktiven, innerörtlichen Bus­linie“, fasst Bürgermeister Hans-Georg Brum den aktuellen Stand zusammen.

„Anhand der erstellten Pläne, den Plots aus dem Verkehrsmodell und insbesondere durch die Visua­lisierungen können Bürgerinnen und Bürger sich ein Bild der möglichen Umsetzung machen. Alle Interessierten sind aufgerufen, mir ihre Hinweise, Anmerkungen und Vorschläge mitzuteilen“, so Molter, der unter uli.molter@oberursel.de oder telefonisch unter 06171 502-434 erreichbar ist.

Nächste Schritte

Spätestens im Januar 2021 werden gemeinsam mit dem Land Hessen (HessenMobil) die unterschied­lichen Fördermöglichkeiten, auch in ihrer Kombi­nation, direkt mit dem Fördermittelgeber erörtert. Dabei werden der bestehende Kostenrahmen und die finanziellen Möglichkeiten der Stadt im Blick behalten.

Des Weiteren stehen detaillierte Schallunter­suchungen an, im Anschluss daran soll 2021 der Bebauungsplanentwurf erarbeitet werden. Im Rah­men des Bebauungsplanverfahrens müssen weitere Untersuchungen durchgeführt werden (Boden, Umwelt, Detailverkehrsgutachten).

Die nun folgende Entwurfsplanung ermöglicht eine genaue Kostenschätzung für die Umsetzung des Vorhabens. Für das Bahnhofsquartier soll dann ein städtebauliches Konzept erarbeitet werden. Parallel wird ein mögliches Umsetzungskonzept erarbeitet, das Bauphasen, Bauabschnitte sowie Kosten und Einnahmen darstellt.

Hans-Georg Brum

Bürgermeister