stadtentwicklung

Neubau Institut für Bienenkunde

Ausstellung zum Architektenwettbewerb für den Neubau des Instituts für Bienenkunde

Seit einiger Zeit plant das renommierte Institut für Bienenkunde seinen jetzigen Standort am Karl-von-Frisch-Weg zu verlassen und an der verlängerten Ebertstraße, gegenüber des Kleingarten-Vereins­heims, einen Neubau zu errichten. Bis dahin wird es zwar noch etwas dauern, aber der architektonische Entwurf für den Neubau hat sich konkretisiert und auch der Vorentwurf des Bebauungsplans ist vorbereitet.

Bedeutung und Aufgaben des Instituts für Bienenkunde

Das Institut für Bienenkunde in Oberursel der Poly­technischen Gesellschaft wurde 1937 gegrün­det und wird gemeinsam mit der Goethe-Universität Frankfurt am Main unterhalten. Das Institut verbin­det, ganz im polytechnischen Sinne, naturwissen­schaftliche Grundlagenforschung mit praktischer Bienenhaltung. Die Besonderheit, und damit ein Alleinstellungsmerkmal des Instituts, bildet die enge Verknüpfung von universitärer Grundlagenfoschung mit praktischer Bienenhaltung einerseits, von Hoch­schullehre mit Berufsausbildung andererseits.

In der heutigen Zeit haben die Aufgaben des Bieneninstituts mehr Aktualität denn je: So gehören die derzeitigen Forschungen zu den Bedrohungen der Bienen, die Debatten um Bienenschutz oder Diversität der Insekten und die Erhaltung der land­wirtschaftlichen Produktivität zur Sicherung unserer Ernährung angesichts der Herausforderungen des Klimawandels zu den ökologisch und ökonomisch wichtigsten Fragen unserer Zeit.

Bienen sind durch die Bestäubung von Blüten­pflanzen für die Ernährung von Mensch und Tier von immenser Bedeutung. Daneben sind sie uner­setzbar für die meisten Ökosysteme und somit eine Schlüsselgruppe der Ökologie. Die angewandte und die Grundlagenforschung am Institut, seine Öffent­lichkeitsarbeit über die Bedeutung der Bienen und die Ausbildung von Studierenden und Auszu­bildenden vor Ort liefern einen Beitrag zum Erhalt der Bienen.

Eine wichtige Aufgabe des Oberurseler Instituts ist die Verbindung von Wissenschaft und Praxis in Form der Ausbildung von Imkern. Gemeinsam wer­den neue Methoden zur Bekämpfung der Milbe Varroa destructor entwickelt oder Bienenvölker als Schadstoffmonitore im Rhein-Main-Gebiet genutzt. Dazu hält das Institut bis zu 250 Bienenvölker für die Forschung und Honigproduktion.

Prof. Dr. Bernd Grünewald, der Leiter des Instituts für Bienenkunde, nennt einen zentralen Baustein der Philosophie des Institutes: “Uns ist es wichtig, die Öffentlichkeit an den aktuellen Erkenntnissen teilhaben zu lassen, Partner für die Imkerschaft zu sein und über die ökologische und wirtschaftliche Bedeutung von Honigbienen aufzuklären. Regel­mäßig finden bei uns Führungen und Vorträge am Institut statt. Schulklassen und Kindergartengruppen lernen das Leben der Biene kennen und werden so zu Botschaftern der Faszination an Bienen.“

Jetziger Standort Karl-von-Frisch-Weg ist in die Jahre gekommen

Die Labore, Büros und Werkstätten sind in einem Altbau aus den 1930er und in einem Neubau aus den 1960er Jahren untergebracht, die letzten Sanie­rungsmaßnahmen wurden in den 1980er Jahren durchgeführt. Die organisatorischen und techni-schen Rahmenbedingungen dieser Gebäude erfül­len nicht mehr die arbeitstechnischen Anforde­rungen an ein wissenschaftliches Institut. Auch die angemietete Bienenflughalle auf dem Gelände des Siedlungslehrhofes ist aus energetischen Gründen nicht mehr zweckdienlich.

Aufgrund der Tatsache, dass diese beiden Einhei­ten des Instituts an einem Standort zusammen­gefasst werden sollen und aufgrund der mittlerweile hohen Besucherzahl von Schulklassen, wurde nach einem neuen Standort in Oberursel für das Bienen­institut gesucht.

Wettbewerb für Instituts-Neubau am neuen Standort an der Ebertstraße

Der geplante Standort an der Ebertstraße und die nähere Umgebung werden derzeit als Wiese genutzt. Außerdem liegen in direkter Nähe die Kleingärten des Vereins sowie private Kleingärten. Erster Stadtrat Christof Fink erläutert: „Die Nähe zu der vorhandenen Kleingartenanlage und zu Streuobstwiesen ist als Nahrungsquelle für die Bienen optimal und auch für die Kleingärten ökologisch sinnvoll. Das ist eine gegenseitige Bereicherung und wir freuen uns, dass durch den Verbleib die enge Vernetzung zwischen dem Institut für Bienenkunde mit der Stadt Oberursel (Taunus) und deren Bürgern, den ansässigen Schulen, sowie mit vielen Imkern fortgesetzt werden kann.“

Die Polytechnische Gesellschaft als Bauherrin des Instituts hat sich 2018 dazu entschlossen, einen offenen, zweiphasigen Realisierungswettbewerb für die Hochbauplanung des Neubaus durchzuführen. Das Büro Wentz & Co. wurde mit der Betreuung des Verfahrens betraut.

„Ziel des Wettbewerbs war die architektonische Hochbauplanung des Neubaus für das Institut für Bienenkunde mit den primären Hauptfunktionen Forschung und Lehre, Bienenhaltung sowie Öffent­lichkeitsarbeit zu strukturieren, die Bewegungs­ströme zwischen den Nutzungen sinnvoll zu lenken sowie ansprechende Arbeitsqualitäten und qualitäts­volle Aufenthaltsbereiche zu schaffen,“ so Johann-Peter Krommer, Mitglied des Vorstandes der Polytechnischen Gesellschaft. Gleichzeitig sollten das für Führungen genutzte Außengelände sowie der Wirtschafts-Institutsgarten und Nutzflächen wie Stellplätze, Lagergebäude oder Andienung sinnvoll an das Gebäude mit den jeweiligen Nutzungen angeordnet werden.

„In der Durchführung eines offenen Wettbewerbs sahen wir die Möglichkeit, möglichst viele unter­schiedliche Entwürfe für den Neubau zu erhalten. Dabei ging es aber nicht nur um das Instituts­gebäude an sich, also um Gebäudeform, Höhe und Fassadengestaltung, sondern auch um die Anord­nung des Gebäudes auf dem Gelände, das Zonie­ren von Parkplatzflächen und Grünflächen wie z.B. dem Institutsgarten“, erläutert Prof. Dr. Bernd Grünewald, Leiter des Instituts für Bienenkunde. „Außerdem solle sich der Entwurf natürlich städte­baulich in die von Kleingärten und Wiesen geprägte Umgebung einfügen und selbstverständlich dem Anspruch eines renommierten Forschungsinstituts genügen, sowie ein Vorbild für eine nachhaltige Bauweise sein“, so Grünewald weiter.

Die Erwartungen wurden auch voll erfüllt: In der ersten Phase wurden insgesamt 72 sehr unter­schiedliche Wettbewerbsbeiträge eingereicht. Diese wurden anonymisiert von der Jury in einer gemein­samen Sitzung bewertet. Als Ergebnis der Phase 1 wurden von der Jury sieben Wettbewerbsteilnehmer für die Phase 2 ausgewählt.

In der zweiten Phase wurden die vertieften – immer noch anonymisierten – Entwürfe der sieben Wettbe­werbsteilnehmer von der Jury in einer gemein­samen Sitzung anhand verschiedener Kriterien beurteilt. Es wurden zwei Arbeiten mit einem 2. Platz prämiert – es handelt sich hierbei um die Büros „Torsten Kiefer Architekten / Radolfzell“ und die „ARGE ts/c und Marcel Heller“. Die beiden Büros wurden aufgefordert, die Entwürfe aufgrund der Hinweise der Jury entsprechend zu überar­beiten. Ende April 2019 tagte das Preisgericht aus der Auslobung in leicht reduzierter Zusammen­setzung, aber unter Wahrung der Kontinuität der Personen und sprach einstimmig eine Empfehlung zur weiteren Beauftragung der ARGE ts/c und Marcel Heller aus.

Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten im Rathaus in Oberursel (Taunus)

Alle Entwürfe der Teilnehmer des Wettbewerbs „Institut für Bienenkunde“ werden vom 13. bis 29. August 2019 im Foyer des Rathauses Oberursel, Rathausplatz 1, 61440 Oberursel (Taunus), zu sehen sein. „Dies bietet den Bürgerinnen und Bürgern Oberursels die Gelegenheit, sich von der Vielfältigkeit der Entwürfe zu überzeugen“, erläutert ein Vertreter vom Büro Wentz & Co, das den Wett­bewerb betreute. „Von Gebäuden in Wabenform über runde Entwürfe und „klassische“ Gebäude­formen bis zu futuristisch anmutenden Entwürfen war alles dabei. Am Ende hat sich das Konzept durchgesetzt, das den Ansprüchen der zukünftigen Nutzer genügt, durch die ausgeprägte Architektur­sprache dem Institut für Bienenkunde ein eigen­ständiges Gesicht geben kann und sich städte­baulich gut einfügt.“

Der Entwurf von ARGE ts/c und Marcel Heller weist drei skulptural überformte Bauteile („Häuser“) für Verwaltung, Bienenhaltung und Forschung/Lehre auf, die durch einen Lichthof verbunden sind. Die geneigten Dächer der ein- bzw. zweigeschossigen Gebäude bilden eine bewegte Dachlandschaft aus. Die Fassaden sind aus Holz vorgesehen. Die Gartenbereiche sind differenziert und sinnvoll voneinander getrennt. Die Andienung erfolgt von der verlängerten Ebertstraße, die hier etwas verbreitert wird. Auch die notwendigen Stellplätze für Besucher und Mitarbeiter des Instituts werden hier angeordnet.

Die Ausstellung ist von Montag bis Freitag von 8.00 bis 12.00 Uhr und am Montag und Donnerstag von 14.00 bis 18.00 Uhr zugänglich. Der Eintritt ist frei.

Der offizielle Eröffnungstermin in Anwesenheit der Auftraggeber und einzelner Wettbewerbsteilnehmer ist am 20. August 2019 von 17.00 bis 19.00 Uhr im Foyer des Rathauses Oberursel (Taunus).

Vorentwurf Bebauungsplan Nr. 246

Nachdem nun der Entwurf für das Institutsgebäude feststand, wurde auf dessen Grundlage der Vorent­wurf für den Bebauungsplan Nr. 246 erarbeitet. Dieser Vorentwurf bildet den Rahmen für den Neu­bau an der Ebertstraße und liegt dem Bau- und Um­weltausschuss am 14. August 2019 zur Beschluss­fassung vor. Vorbehaltlich des Beschlusses durch die Stadtverordnetenversammlung am 29. August 2019 wird der Vorentwurf ab Mitte September für einen Monat öffentlich ausgelegt und kann ent­sprechend von Bürgerinnen und Bürgern im Rat­haus eingesehen und Stellungnahmen abgegeben werden.

Christof Fink

Erster Stadtrat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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