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Picknick + 8. Lesung am Lindenbäumchen

Picknick und Lesung am Lindenbäumchen --- Sonntag, 18. August 2019 --- 15.00 Uhr 

Die nächste Lesung am Lindenbäumchen diesen Sonntag, 18. August 2019, wird in mehrfacher Hinsicht eine besondere sein! Zum einen wird diese Lesung bei einem gemeinsamen Picknick musika­lisch begleitet und sie findet zum ersten Mal an der umgefallenen Linde statt!

Bereits im Januar 2019 wurde die Lesung als soge­nannte Fokusveranstaltung unter dem Motto „Pick­nick unter den Linden“ im Rahmen der Veranstal­tungsreihe „Moderne Gärten“ von GartenRheinMain der Kulturregion Frankfurt RheinMain angekündigt. Aus diesem Grund gibt es neben der Lesung auch ein erweitertes, kulinarisches Angebot in Form eines gemeinsamen Picknicks und eine musikalische Untermalung!

Den Gästen wird bereits ab 14.00 Uhr vom Stamm Graue Bären der Pfadfinder eine Auswahl an Getränken wie Kaffee, Wasser, Saft, Apfelwein und Bier sowie Brezeln und Kuchen angeboten. Auf bereitgestellten Picknickdecken, Liegestühlen und Bän­ken können die Besucher dies und – wie es bei einem Picknick üblich ist – ihre mitgebrachten Leckereien genießen und mit den anderen Gästen teilen.

Im Schatten der jüngeren Schwester der alten Gerichtslinde können auch die eigenen Picknick­decken ausgebreitet und um 14.00 Uhr den Klängen des Cellos, gespielt von Shirin Tashibaeva, gelauscht werden. Die junge Cellistin ist diplomierte Orchestermusikerin und unterrichtet seit Februar 2014 an der Musikschule Oberursel. Außerdem ist sie Mitglied des Jugend-Sinfonieorchesters der GUS-Staaten, mit dem sie bereits Konzerte u.a. in Moskau, New York, Paris, Peking gab. Auch an den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth nahm sie schon teil.

Zur gewohnten Zeit um 15.00 Uhr liest Saskia Hennig von Lange bereits die achte Episode ihrer Geschichte „Der Baum denkt“. Im Mittelpunkt steht die lange Lebenszeit des Lindenbäumchens, die eng mit der Lebensgeschichte des Mädchens Marie verwoben ist. Denn das Mädchen besucht die Linde im Laufe ihres Lebens immer wieder und hält Zwiesprache mit ihr.

Im Mittelpunkt der Episode im April stand die Beziehung der beiden vor dem Hintergrund, dass Marie mittlerweile ein Mädchen zur Welt gebracht hat: Linda! Die Zuhörerinnen und Zuhörer verfolgten gebannt, wie es möglich sein kann, dass ein Baum so etwas wie Eifersucht empfindet. Seitdem ist im Leben der beiden bis zur nächsten Episode sicher wieder einiges passiert. Wird Hennig von Lange auch darauf eingehen, dass das Lindenbäumchen umgefallen ist? Oder wird das bei der Lesung im Oktober thematisiert?

Udo Keidel-George vom Kultur- und Sportförder­verein Oberursel e.V. ist überzeugt, dass auch jetzt wieder viele Menschen den Weg zum Linden­bäum­chen finden werden, gerade mit dem speziellen Rahmenprogramm: „Das Publikum wird sich sicher auch bei der achten Lesung sowohl aus treuen Stammgästen, die bisher keine Episode verpasst haben, und neuen Interessierten zusammensetzen. Das spricht für die wunderbare Geschichte von Saskia Hennig von Lange, die den literarischen Teil des Konzepts der Künstler Winter/ Hoerbelt ‚Lindenbäumchen, gerahmt‘ umsetzt.“

Wer bisher nur unregelmäßig oder noch gar nicht bei den Lesungen dabei war, kann unter www.saskiahennigvonlange.de/lindenbaeumchen Auszüge aus den ersten sieben Episoden nach­lesen. Außerdem beginnt die Autorin die Lesungen stets mit einer Zusammenfassung der bisherigen Geschichte.

Die Veranstaltung wird durchgeführt und finanziert vom Kultur- und Sportförderverein Oberursel e.V. (KSfO) und vom RegionalparkRheinMain unter-stützt.

Das Lindenbäumchen befindet sich in der Feldge­markung. Es ist nur zu Fuß und mit dem Fahrrad zu er­reichen! Falls Besucher mit dem PKW zur Lesung anreisen, sollten sie im Bereich der Freiligrath­straße/ Bleibiskopfstraße parken und von dort aus den ca. 15minütigen Fußweg zum Lindenbäumchen zurücklegen.

Mehr Informationen zum Projekt sind auch unter http://www.oberursel/de/erleben-entdecken/oberursel-entdecken/regionalpark/ oder unter www.ksfo.de zu finden.

Doch wie geht es mit dem umgefallenen Lindenbäumchen jetzt weiter?

Am 16. Mai 2019 ist das Lindenbäumchen an der verlängerten Freiligrathstraße umgefallen. Der Baum liegt weitgehend innerhalb der Vitrine, nur ein paar Äste ragen darüber hinaus. Seit Mai wurde mit verschiedenen Beteiligten über Ursachen, Zustand und weitere Vorgehensweise gesprochen.

Nach der Einschätzung von Experten ist davon aus­zugehen, dass die ca. 400 Jahre alte Gerichtslinde nicht durch die Einwirkung von Menschenhand umgefallen ist, sondern weil ihr Stamm innen durch Pilzbefall und Trockenheit sehr angegriffen ist. Dass sie Richtung Taunus gekippt ist liegt daran, dass die noch vorhandenen Äste auf dieser Seite innen noch nicht „hohl“ sind, sondern aus festem Holz bestehen und die Linde hier schon seit Jahren immer noch austrieb. Das hat zu einem statischen Ungleich­gewicht geführt und das Lindenbäumchen hat sozusagen sein Gleichgewicht verloren.

Im Vorfeld der Realisierung des Projektes wurde 2016 der Zustand des Baumes abgefragt. Die Standsicherheit wurde bestätigt, wenn auch nicht auf „ewig“. Einig sind sich die Experten auch darin, dass es ungewöhnlich ist, dass die Linde so schnell einfach umgefallen ist, denn solche alten Bäume, auch mit unterschiedlichen Lasten, sind keine Seltenheit (stehendes Totholz).

Die Idee, die alte Gerichtslinde in ihrem jetzigen liegenden Zustand zu belassen, nahm schnell Gestalt an. Denn im Gegensatz zu so manchen Aussagen, dass die Linde „tot sei“, konnten sich alle, die hier vorbeikommen, davon überzeugen, dass der vorhandene Trieb der Linde, der durch den Stamm hindurchgeht auch noch mehrere Wurzel­verbindungen in den Boden hat. Und auch ein neuer Trieb sucht sich durch den liegenden Stamm den Weg ans Licht. Ganz abgesehen von den Insekten, die in dem Baum leben. Wo sonst Bäume meist schnell beseitigt werden, soll hier der Zerfall als Teil des natürlichen Prozesses im Leben eines Baumes bzw. das Entstehen neuen Lebens (Besiedelung durch Tiere, Wachsen neuer Triebe) gezeigt und verfolgt werden können. Schließlich ist der Baum elementarer Bestandteil des Kunstwerks.

Gleichzeitig sollen mehrere Stecklinge gezogen werden. Wenn diese dann groß genug sind, soll in ein paar Jahren eine neue Linde, die genetisch dieselbe Linde ist wie die alte, gepflanzt werden. Dann würden entsprechend die „Reste“ der alten Linde entfernt. Was dann mit dem Holz passiert, muss entsprechend geklärt werden. Das Wachstum „des neuen“ Baumes kann dann in der Vitrine proportional zu der umgefallenen Linde verfolgt werden.

Bei den Überlegungen zum Lindenbäumchen spiel­te selbstverständlich das Thema der Verkehrs­sicherheit eine wichtige Rolle. Eine Nachfrage bei der städtischen Versicherung hat ergeben, dass mit der Lage des Baumes in der Feldgemarkung außerhalb städtischer Bebauung eine einge­schränkte Verkehrsbedeutung dieses Bereiches einhergeht und somit eine durchaus überschaubare Gefahrenlage. Aus diesem Grund ist es aus­rei­chend, entsprechende Hinweisschilder anzu­bringen, die darauf aufmerksam machen, dass aus Sicher­heitsgründen weder auf den liegenden Lindenbaum geklettert noch sich unter ihm aufgehalten werden darf.

Christof Fink

Erster Stadtrat

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