Spurensuche

Aus dem Stadtarchiv: Runde Jubiläen im Jahr 2019

Das Stadtarchiv hat sich wieder mal auf Spurensuche begeben - und ist fündig geworden!

Hier ist sie wieder, die alljährliche Vorschauf auf die besonderen Jubiläen im kommenden Jahr:


  • Teil 1

    Am 8. Oktober 1444 verlieh König Friedrich III. (1452 zum Kaiser gekrönt) dem Marktort Oberursel das Stadtrecht. Dies geschah auf Bitten des damaligen Landesherrn Eberhard von Eppstein. 1445 stellte der Landesherr einen Freiheitsbrief aus, mit dem er den Bürgern die Stadtrechte zusicherte und auch, dass sie „ewiglich freisitzen“ sollten. Dafür erhob er von den Oberurselern zusätzlich zu den bisherigen Abgaben eine „stattliche Summe“. Für zehn Jahre war diese leicht reduziert wegen dringend erforderlicher städtischer Neubauten. Und der bis dahin u.a. mit „Greben“ und „Planken“ umwehrte Ort baute tatsächlich fleißig. Zusätzlich zur Stadtmauer mit ihren Stadttoren entstand ein Rathaus (das Spielhaus auf der Freiheit am Hollerberg) und der Kirch- und Wachtturm „Hohe Wacht“, der erst 1937 in kirchlichen Besitz überging. In den folgenden Jahren nahm die Stadt einen enormen Aufschwung, so dass bereits um 1481 die Stadtmauer erweitert werden musste.

    1994 konnte die Stadt Oberursel das 550-jährige Jubiläum der Stadtrechtsverleihung aus finanziellen Gründen nicht groß feiern. Stattdessen erschien eine Münz-Sonderprägung der Nassauischen Sparkasse in Gold und in Silber. Und ganz nebenbei konnte Stadtarchivarin Andrea Bott bei ihren Forschungen für eine Ausstellung das bis dahin überlieferte Datum der Stadtrechtsurkunde richtigstellen: Durch einen Übersetzungsfehler ging man bis 1994 vom
    31. Mai als Tag der Verleihung aus.

    Haben Sie Ergänzungen zu diesem Jubiläums­datum? Dann nehmen Sie bitte Kontakt auf zum Stadtarchiv, Schulstr. 32. Sie erreichen Archivarin Andrea Bott und die Archivmitarbeiterin Linda Rischar während der Öffnungszeiten:

    montags       08.00 – 12.00 und 14.00 – 17.30 Uhr

    mittwochs     08.00 – 12.00 und 13.00 – 16.00 Uhr

    und nach Vereinbarung, telefonisch unter 06171 581481 oder per E-Mail: stadtarchiv@oberursel.de.

  • Teil 2

    Im heutigen zweiten Teil der Jubiläumsdaten 2019 springt das Stadtarchiv mit seiner Berichterstattung in die Neuzeit und nimmt das Jahr 1919 ins Visier.

    Dass das alte Dreiklassenwahlrecht 1918 im Gefol­ge der Revolution durch das deutsche Reichs­wahlgesetz vom 30. November 1918 abgelöst wurde, ist hinreichend bekannt. Nun gab es „gleiche, geheime, direkte und allgemeine Wahlen“. Frauen besaßen nun das aktive und passive Wahlrecht. Doch räumten Politiker auch ihre Sessel zugunsten von Frauen?

    Ein Blick in die Einwohnerstatistik des Vorkriegs­jahres 1913 verrät, dass sich die Einwohnerzahl von 7810 Personen zusammensetzte aus 2624 Männern, 2862 Frauen und 2324 Kindern. Im Nachkriegsjahr 1919 hatte sich die (statistische) Schere zwischen männlicher und weiblicher Bürger­schaft geöffnet, nicht zuletzt durch die 224 Gefall­enen. Von 7999 Einwohnern waren 3768 Männer und 4231 Frauen. Auf den Listenplätzen zur ersten Kommunalwahl nach dem neuen Wahlrecht am 2. März 1919 traten trotzdem nur 12 Frauen unter 105 Kandidaten zur Wahl an. Lediglich eine Frau schaffte auf Anhieb den Sprung in die Stadtverord­netenversammlung. Margarethe Hager hatte für die USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands) auf Listenplatz 3 kandidiert. Als „Nachrückerin“ gelangte Friederike Bröll über Listen­platz 6 des Wahlvorschlags der DDP (Deutsche Demokratische Partei) ebenfalls in das Parlament. So befanden sich unter 24 Stadtverord­neten insgesamt zwei Frauen. Beide Frauen kandi­dierten nicht mehr bei der Kommunalwahl 1924. Andere Frauen hatten aussichtslose Listenplätze inne. Gleiches galt für die Wahlen 1929 bzw. 1933, als jeweils vier Frauen auf aussichtslosen Listen­plätzen kandidierten. In der Zeit des National­sozialismus wurde die Stadtverordneten­versamm­lung durch Verordnung vom 7. Februar 1933 auf­gelöst. Bei der ersten demokratischen Kommunal­wahl 1946 errang Karoline Sinai einen Sitz, ihr folgten 1948 zwei weitere Frauen. Heutzutage ist 1/3 der Stadtverordneten weiblichen Geschlechts.

     

    Ebenfalls auf eine 100-jährige Tradition kann die städtische Elternberatung zurückblicken. Sie wurde als private Einrichtung 1914 durch den „Vaterlän­dischen Frauenverein vom Roten Kreuz“ gegründet. Die Stadt Oberursel stellte ihr zwei Räume im Rats­keller (heute: Vortaunusmuseum) zur Verfügung. Bis zum 15. April 1919 führte Schwester Irene Valentin die Säuglingsfürsorge im Auftrag des Vereins durch. Mit diesem Tag übernahm die Stadt dann u.a. die Säuglingsfürsorge. Die neu eingerich­tete städtische „Säuglings-, Krüppel- und Kranken­pflege“ wurde durch zwei Personen bewerkstelligt; Stadtschwester Berta Zöller, die gleichzeitig auch Bezirksfürsorgeschwester für Bommersheim und Kalbach war, und Hilfsschwester Else Brey, welche für die Krüppelfürsorge zuständig war. Aus der Säuglings- und Mutterberatungsstelle der 1920er Jahre entwickelte sich die Mütterberatung der Nachkriegszeit und aus dieser wiederum 1991 die Elternberatung.

    USPD (Ouer Buergerfreund 19.2.1919).jpg
    ·         Zeitungsaufruf der USPD am 19.2.1919. Original: Stadtarchiv


    Archiv.jpg
    ·         Flugblatt der DDP, 1919. Original: Stadtarchiv.

     

    Haben Sie Ergänzungen zu diesem Jubiläums­datum? Dann nehmen Sie bitte Kontakt auf zum Stadtarchiv, Schulstr. 32. Sie erreichen Archivarin Andrea Bott und die Archivmitarbeiterin Linda Rischar während der Öffnungszeiten:

    montags       08.00 – 12.00 und 14.00 – 17.30 Uhr

    mittwochs     08.00 – 12.00 und 13.00 – 16.00 Uhr

    und nach Vereinbarung, telefonisch unter 06171 581481 oder per E-Mail: stadtarchiv@oberursel.de.

  • Teil 3

    Oberursel wird auch gerne bezeichnet als „Stadt der Schulen“. So ist es kein Wunder, dass 2019 eine Schule ihr 50-jähriges Jubiläum feiern darf.

    Die Helen-Keller-Schule für Praktisch Bildbare bezog im Januar 1969 ihr erstes eigenes Schul­gebäude in Oberursel, Im Portugall 15. Voraus­gegangen war das stetige Wachstum einer 1963 eingerichteten Spezialklasse für geistig behinderte Kinder des Obertaunuskreises (ab 1967 auch des Landkreises Usingen). 1966 erfolgte die Ver­selbständigung der Sonderschule. Anfangs kam die Schulversuchs-Gruppe in der Pestalozzischule Bad Homburg unter. Bis 1967 wurden drei Klassen eingerichtet. Im Vorgriff auf den Umzug nach Oberursel erhielt die Schule am 15. Oktober 1968 den Namen Helen-Keller-Schule. Die Raumnot in der seit 13. Januar 1969 gastweisen Unterkunft im 2. Bauabschnitt der Hans-Thoma-Schule konnte nur durch den geplanten Neubau behoben werden. Die Sonderschule mit inzwischen 10 Klassen wurde am 22. April 1972 offiziell eingeweiht, doch die Raum­not stieg weiterhin. 1985 wurde eine Abteilung für körperbehinderte Praktisch Bildbare eingerichtet. Anfang 1988 folgte schließlich der Bezug des Neu- bzw. Umbaus und im November des Jahres wurde sie Ganztagsschule.

    Ein zweites Stichwort zur Charakterisierung von Oberursel ist: „Stadt der Brunnen“. Zwei Brunnen wurden 1994, also vor 25 Jahren eingeweiht: der Brunnen im Siedlungslehrhof und der Gambrinus­brunnen.

    Zum Brunnenfest 1994 weihte Brunnenkönigin Claudia I. am 28. Mai den vom Rosengärtchen in den Siedlungslehrhof umgesetzten Trogbrunnen ein, der nach dem Zweiten Weltkrieg Notunterkünfte im Siedlungslehrhof mit Wasser versorgt hatte. Die Umsetzung vom Rosengärtchen an den neuen Standort wurde stark kritisiert, sogar von einem „heimlichen Klau“ war die Rede. Doch der Siedlungsförderungsverein, auf dessen Grundstück der Brunnen im Rosengärtchen stand, hatte dem neuen Standort zugestimmt, und so blieb der Brunnen wo er 1994 hinkam.

    Weniger umstritten war die Errichtung des Gambri­nusbrunnens am Hollerberg neben der damaligen Sozialstation. Er wurde von der Henninger-Bräu AG anlässlich ihres 125-jährigen Geschäftsjubiläums gestiftet und konnte am 26. August 1994 eingeweiht werden. Da der ursprünglich beauftragte Künstler Georg Hieronymi im Dezember 1993 verstorben war, übernahm der Steinmetz und Bildhauermeister Walter Meffert die Aufgabe, den Brunnen zu schaffen. Als Vorbild der Brunnenfigur diente eine Holzfigur aus dem Münchner Brauereimuseum.

     

    Das „Theater im Park“ bot 1994 erstmals eine Freilichtaufführung im Park der Villa Gans an. „Don Carlos“ feierte am 1. Juli 1994 Premiere. Veranstal­ter waren dank einiger externer Sponsoren der Theater Verein und die Stadt Oberursel. Die Reste einer Waldbühne auf dem Areal hatten zu diesem Projekt inspiriert. Regisseur war Jochen Ziegler bis zu seinem Tode 1996. Hella Detjen sprang für die damalige Produktion ein. Seine Nachfolger waren Jochen Brunke (1997-2002), Andreas Walther-Schroth (2003-2017), Volker Zill (2018). 1996 über­nahm der junge Kulturförderverein Oberursel als Veranstalter das Theater im Park. Seit 2010 finden die Aufführungen im Park der Klinik Hohemark statt.

     

    Don Carlos 1994.jpg


    Die erste städtische Krabbelstube „Pfützenracker“ existiert ebenfalls seit 25 Jahren. Sie wurde auf Drängen der Oberurseler Eltern-Initiative mit ihrer Vorsitzenden Ulla Kalbas von der Stadt Oberursel verwirklicht für KIeinkinder von 1½ bis 3 Jahren. Auf dem Gelände der früheren Stadtgärtnerei am Geschwister-Scholl-Platz wurde das Gebäude nach den Plänen des Architekten Rudolf Dinges erbaut.


    Haben Sie Ergänzungen zu diesem Jubiläums­datum? Dann nehmen Sie bitte Kontakt auf zum Stadtarchiv, Schulstr. 32. Sie erreichen Archivarin Andrea Bott und die Archivmitarbeiterin Linda Rischar während der Öffnungszeiten:

    montags       08.00 – 12.00 und 14.00 – 17.30 Uhr

    mittwochs     08.00 – 12.00 und 13.00 – 16.00 Uhr

    und nach Vereinbarung, telefonisch unter 06171 581481 oder per E-Mail: stadtarchiv@oberursel.de.


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